Nio und seine Abenteuer

Und hier findest Du die ersten fünfzig Abenteuer des kleinen Schneemanns Nio


50 | 888 - Eisfach mit Aussicht

Annina stellt ihr Velo vor dem Lebensmittelgeschäft ab, packt die Kühlbox mit Nio und schlendert in das Geschäft. Vor staunen bekommt Nio seinen kleinen Mund gar nicht mehr zu: „Wow, wenn ich das gewusst hätte!“ „Wenn Du was gewusst hättest?“, fragt Annina nach. „Wenn ich gewusst hätte, dass das Paradies nur um die Ecke liegt...“

Annina stellt die Kühlbox mit Nio in einen Einkaufswagen und schlendert durch die Regale. Nio kann sich vor Begeisterung nicht mehr zurückhalten. Ganz nervös kommentiert er jedes der Produkte: „Schau doch mal, die haben all die feinen Sachen, die ich schon immer haben wollte.“ „Nur keine Panik, mein kleiner Einkaufsfetischist!“, beruhigt ihn Annina.

Doch noch mehr Aufmerksamkeit wecken in Nio die Kühlregale mit den Glasscheiben: „Schau mal, schau mal, die haben sogar einen Eiskasten mit Fenster!“, stellt Nio aufgeregt fest. „Kannst Du mich mal da hineinsetzen?“, bettelt er. „Nein, sicher nicht!“, erwidert Annina entsetzt. „Doch, bitte, bitte. Ich will mal probieren, wie es sich in so einem Tiefkühlregal mit Fenster anfühlt.“

Annina schaut sich besorgt um: „Und wenn dich jemand aus dem Eischrank stiehlt?“ „Dann schrei ich ganz laut um Hilfe“, erwidert Nio und streckt Annina seine Arme entgegen. „Na, gut…“ Annina nimmt Nio aus der Kühlbox, stellt ihn zwischen gefrorenes Gemüse in das Tiefkühlregal und schliesst die Tür. Zufrieden stahlt Nio Annina durch die Scheibe an und lässt sie durch eine Handbewegung wissen, sie soll doch alleine weiter einkaufen. Mit verständnislos schüttelndem Kopf geht Annina weiter ihren Besorgungen nach und holt, was ihre Mama ihr auf den Einkaufszettel geschrieben hat.

Als sie alles hat, kehrt sie zum Tiefkühlschrank zurück. Interessiert beobachtet Nio die Menschen beim Einkaufen. Annina öffnet die Tür zum Tiefkühlregal: „So, ich habe alles. Ab nach Hause.“ „Nein, bitte noch nicht. Es macht so viel Spass, den Menschen beim Einkaufen zu zuschauen...“

Obwohl Nio murrt, packt Annina ihren kleinen Schneemann zurück in die Kühlbox und geht zur Kasse. Als sie alles auf das Rollband gelegt hat, will Nio wissen: „Kann man hier auch so ein Tiefkühlregal kaufen?“ „Für was braucht Du denn ein neues Tiefkühlregal?“, will Annina wissen und Nio antwortet: „Weil ich zu Hause so besser sehen kann, was alles in der Welt draussen geschieht.“


Morgen erfährt ihr, was ein Fernseher so alles kann...


49 | 888 - It’s cool Man

Nio ist in seinen Gedanken noch immer bei der unendlichen Stille, welche durch nichts sehnlicher erfüllt werden möchte, als durch Musik. Da öffnet sich die Tür von seinem Eisfach. Gut gelaunt und bereits in hippen Stadtpriaten-Klamotten, steht Annina vor dem Eisschrank.

„Alles klar, Herr Kommissar“, spricht Annina keck ihren Nio an, der sich unsicher im Eisfach umsieht, ob er damit gemeint sei. So keck wie sie Nio anspricht, lacht sie nun auch über Nios Unsicherheit: „Ja, ich meine Dich, Du mein kleiner Schneemann. Kennst Du den Song von Falco nicht?“

Nio schüttelt betröppelt seinen süssen Kopf. „Falco war ein Musiker aus Wien. Wien würde dir gefallen.“ Dabei nimmt sie ihren kleinen Nio aus dem Eisfach und stellt ihn in die Kühlbox. „Was ist denn so toll an Wien?“, will Nio von Annina wissen. „Die Wiener sind so romantisch und charmant - und auf den Strassen fahren ganz viele Kutschen, die von Pferden gezogen werden.“

Annina gibt noch eine Handvoll Eiswürfel in die Kühlbox und schon stürmen die beiden aus der Wohnung. Die Kühlbox mit Nio vorne im Korb am Lenker ihres Fahrrades, strampelt Annina Richtung Einkaufszentrum. Nios Zipfelmütze weht lustig im Wind, während er aus der Kühlbox herausschaut. „Ist es noch lange bis nach Wien?“, will Nio wissen. „Wir gehen nur um die Ecke zum Einkaufen“, erklärt Annina.

Doch Nio gibt nicht auf „Dachte Falco ist Musiker - wieso arbeitet er jetzt im Supermarkt?“ „Falco arbeitet nicht im Supermarkt. Falco arbeitet gar nicht mehr!“ Kurz überlegt Nio wieso Falco wohl nicht mehr arbeitet, doch genau in diesem Moment überholt eine Polizist auf seinem grossen Motorrad Nio und Annina. Als Nio den Polizisten sieht, ruft er diesem frech zu „Als klar, Herr Kommissar?“ Doch der Polizist nimmt es gelassen, tippt an seinen Helm: „Aber vorsicht - It’s cool man!“, und braust davon…


Morgen erfährt ihr, wovon Nio träumt…


48 | 888 - Musik

Während Nio verträumt den Globus anschaut, entscheidet sich Annina noch schnell unter die Dusche zu hüpfen und sich anzuziehen. Auch heute murrt Nio, wie immer, wenn er zurück in sein Eisfach muss. „Dafür nehme ich dich später mit zum Einkaufen“, tröstet Annina ihren kleinen Freund, als sie die Eisfachtür schliesst. Auf Anhieb weiss Nio gerade nicht, ob das nun gut oder schlecht ist, wenn er mit Annina zum Einkaufen mitgehen darf.

Während er an der Frage herumgrübelt, vernimmt er die sonore Stimme von Blubb: „Menschen tanzen zu Musik, Kühe geben mehr Milch mit Musik und Orchideen blühen schöner zu Mozart.“ Nio hält kurz den Atem an, um besser zu hören, ob Blubb zu seiner Feststellung auch noch eine alles ändernde Frage hat. Doch da kommt nichts mehr von Blubb. Erleichtert sucht sich Nio einen Eiswürfel und beginnt vergnügt daran zu knabbern.

Mit dem Satz „Was hört Musik?“, schiebt Blubb dann doch noch die ultimative Frage nach. Nio ist sich jetzt nicht sicher, ob er Lust hat, die Frage zu beantworten oder ob Blubb wirklich eine Antwort wünscht. Leise und im Rhythmus der Frage „Was hört Musik? Was hört Musik“, summt Nio vor sich hin. Während er so vor sich hinsummt, beobachtet Blubb, wie seine grossen Luftblasen nach oben steigen. Nach einer Weile, ungefähr so lange, wie sich die Weltkugel dreht, wenn Annina diese schwungvoll anschubst, hat Nio eine Lösung.

„Nun…“, beginnt Nio mit bedeutungsvoller Stimme, „…Polarität ist der Ausdruck für das Verhältnis sich gegenseitig bedingender Grössen. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Wo sein ist, ist auch nicht sein“ Blubb staunt und schaut mit grossen erwartungsvollen Augen Nio an. „Musik hört die Stille“, folgert Nio und hört nochmals etwas genauer in die Tiefe der Unendlichkeit des Eisfaches. „Stimmt“, denkt er sich dabei und erfreut über seine Erkenntnis knabbert er an seinem Eiswürfel weiter. Und Blubb wiederholt, „So, so, Musik hört die Stille“, und schliesst dabei zufrieden seine Augen.


Morgen erfährt ihr mehr zum Abenteuer Einkaufen…


47 | 888 – Weltreise

Mit einem skeptischen Blick betrachtet Nio den sich drehenden Globus: „Bist Du sicher, dass man eine Weltreise so plant?“ „Hast Du eine bessere Idee?“, erwidert Annina ironisch. Nio rückt sich seine Mütze zurecht, was er immer tut, wenn er nachdenkt. Dabei kneift er seine kleinen Augen zusammen und beobachtet die Weltkugel.

„Wie hiess schon wieder der Norweger, der als erstes den Südpol erreicht hat, oder der Neuseeländer, der als erstes auf dem höchsten Berg war Welt war?“ „Warum willst du das wissen?“, fragt Annina mit interessiertem Blick. „Ich dachte nur…“,entgegnete Nio, während seine Augen über den Globus wandern, „…vielleicht könnten wir die beiden fragen, wie sie ihre Weltreise geplant haben.“

„Das waren ja nicht nur Weltreisen, das waren ganze Expeditionen. Und fragen können wir beide leider nicht mehr!“ „Aha… Warum nicht mehr?“, insistiert Nio. „Weil beide nicht mehr leben.“

Nio wird nachdenklich und bittet Annina: „Kannst Du mir mal zeigen, wo das Engadin liegt?“ Annina dreht den Globus so, dass Europa zum Vorschein kommt und hält ihren Finger auf die rechte Ecke der Schweiz: „Ungefähr hier…“ „Gut, dann lass uns ins Engadin fahren.“ „Aber das kennen wir doch schon. Bei einer Weltreise geht es darum, fremde Länder, neue Sitten und andere Menschen kennen zu lernen.“

Nio holt tief Luft, zögert: „Weltreisen scheinen Lebensgefährlich zu sein. Ich mag lieber ins Engadin, von da sind wir alle immer wieder gesund nach Haus gekommen.“


Morgen erfährt ihr, was Blubb mit Musik am Hut hat…


46 | 888 - Tag und Nacht

Annina schubst die Weltkugel nochmals mit Schwung in die Gegenrichtung an. Ihr Finger stoppt den Globus in Alem Ketema in Äthiopien „Soll ich raten…?“, fragt Nio mit einem sarkastischen Unterton, „…wieder eine Wüste?“ Annina nickt belustigt. “Ich glaube, die Weltkugel ist kaputt. Muss die so schräg dastehen?“, stellt Nio als Frage in den Raum und betrachtet den Globus von der Seite.

„Nein, die Weltkugel ist ganz in Ordnung. Die muss so schräg sein. Bei der Entstehung des Universums war die Achse der Welt noch gerade. Aber dann…bums“, und dazu macht Annina eine grosse Handbewegung. „Und was, bums?“, fragt Nio erstaunt nach. „Wurde die Welt von einem Asteroid getroffen und schwups wurde sie aus den Angeln gehoben und hängt seither schräg im Universum.“ Dabei zeigte sie auf die Weltkugel, als ob sie einen Schokoladenkuchen präsentieren würde, „und durch den Aufprall hat die Erde auch begonnen, sich zu drehen.“

„Warum hat dann niemand die Weltkugel wieder richtig heile gemacht?“, will Nio wissen.“ „Weil wir dadurch die vier Jahreszeiten bekommen haben und Tag und Nacht. Stell dir vor, es wäre auf der Welt die ganze Zeit so wie bei dir im Eisfach“ erläutert Annina. Nio rückt sich seine Mütze zurecht und betrachtet den Globus, blickt hinüber zum Eisschrank und wieder zurück zum Globus „Das würde bedeuten, wenn wir den Eisschrank etwas schräg stellen würden, hätte ich im Eisfach auch Tag und Nacht?“ Annina schubst den Globus nochmals an, diesmal etwas sanfter „Oh Nio, mein Nio, wenn alles so einfach wäre...“


Morgen erfährt ihr, wohin die Reise geht…


45 | 888 - Timbuktu

Verzweifelt holt Nio tief Luft und verdreht seine kleinen Augen, als Annina Lucia hilft, den grossen Schokoladenkuchen in ihre Tasche zu packten „Ich bekomme also wirklich kein Stück ab davon?“, jammert Nio. „Nein - das ist für unser Geburtstagskind. Du hast erst am 21. Dezember Geburtstag“ antwortet Annina mit einem schelmischen Lächeln. Nio verschränkt demonstrativ seine Arme: „Dann warte ich halt…“

Lucia zieht ihren Mantel an, packt ihre Tasche, küsst Annina und geht zur Arbeit. Als die Tür hinter Lucia in das Türschloss fällt, blickt Annina spitzbübisch zu Nio: „Hast Du Lust auf eine kleine Reise?“ Nio traut der Sache nicht ganz. „Wie meinst Du das?“, fragt er skeptisch.

Annina verschwindet im Zimmer und kommt mit einer Weltkugel zurück. Nio ist entzückt: „Wir machen eine Weltreise?!“ „Noch nicht, aber wir können ja mal beginnen zu planen“, schlägt Annina vor und stellt Nio mit dem Globus auf die Fensterbank.

Mit einem Schwung schubst sie den Globus an, sodass sich die Kugel dreht. „So viele Länder und so viel Wasser…“, staunt Nio als der Globus vor im wirbelt. Doch Annina stoppt die Weltkugel mit ihrem Zeigefinger abrupt. „Volltreffer - Timbuktu. Was für ein Glück! Da war ich noch nicht“, und lacht dabei.

„Ich auch noch nicht…“, ergänzt Nio und will wissen „…hat es da Schnee?“ „Nein, vermutlich nicht. Timbuktu liegt in Afrika“, erklärt Annina, indem sie mit dem Finger auf den Globus tippt. „Dann suchen wir weiter“, stellt Nio traurig fest.

Mit einer schwungvollen Handbewegung gibt Annina dem dem Globus erneut Schwung. Und wieder stoppt sie die Erdkugel mit dem Zeigefinger. Diesmal in Australien. „Breakaways Reserve“, liest Annina auf der Weltkugel und Nio fragt: „…hat es Schnee?“ „Scheint eine Wüste zu sein“, stellt sie nüchtern fest. „Ich glaube, du schubst die Weltkugel in die falsche Richtung herum an“, stellt Nio zur Diskussion. Also schubst Annina diesmal den Globus in die Gegenrichtung an und stoppt diesen wieder mit dem Zeigefinger. Als sie sieht, wo ihr Finger auf der Kugel gelandet ist, musst sie lachen.

Mit grossen Augen will Nio wissen „Und - wo gehen wir hin, hat es Schnee?“ Annina schaut zum Fenster hinaus: „Nein, Schnee hat es keinen - aber ein Eisfach.“ Verwundert fragt Nio: „Wieso weisst Du, dass es ein Eisfach hat?“ „Weil mein Finger auf unserer Stadt gelandet ist.“ Enttäuscht schüttelt Nio seinen kleinen Kopf. „So was Dummes aber auch. Dreh den Globus besser wieder in die andere Richtung. Sonst kommen wir hier nie weg.“


Morgen erfährt ihr, wieso sich die Erde dreht…


44 | 888 –Schokoladenfabrik

Als Annina das Eisfach öffnet, döst Nio zufrieden vor sich her. In der Küche riecht es herrlich nach frischem Schokoladenkuchen. Plötzlich ist Nio hellwach „Ha - hast du einen Kuchen gebacken?“ möchte er holperig wissen. „Mama hat von einem Freund, der in einer Schokoladenfabrik arbeitet, ganz viel Schokolade geschenkt bekommen - und so hatten wir die Idee, einen Kuchen zu backen.“ „Darf ich den Schwingbesen ablecken?“ bettelt Nio ganz aufgeregt. „Schon zu spät.“ triumphiert Annina und leckt sich mit der Zunge über ihre Mundwinkel. 

„Immer werde ich vergessen.“ jammert Nio „Denn eigentlich habe ich ja heute Geburtstag“. Annina nimmt Nio hinüber auf den Küchentisch und setzt sich daneben. „Wieso sollst du denn gerade heute Geburtstag haben?“ argwöhnt Annina. Jetzt war Nio gefordert und wie immer, wenn Nio nachdenken muss, beginnt er mit einem seiner drei Lieblingswörter. 

Heute ist es das Wort „also“. Dabei schaut er immer wieder zum Backofen, der in der ganzen Küche einen betörenden Kuchengeruch verströmt. „Also - Schneemänner haben jeden Tag Geburtstag.“ Annina entgegnet: „Man kann nur einmal im Jahr Geburtstag haben.“ „Ach so…“ dabei rückt Nio seine Mütze zurecht, gerade so, als ob er eine wichtige Entscheidung zu treffen hat. „Dann habe ich im Sommer Geburtstag.“ „Das ist schlecht“ erwidert Annina. „Da gibt es keinen Schnee.“ „Stimmt…“ anerkennt Nio bedröppelt und fragt vorsichtig, um keinen weiteren Fehler zu begehen, „Wann wäre dann ein guter Tag für meinen Geburtstag…?“ „Wie wäre es mit dem 21. Dezember? Das ist der offizielle Winteranfang und im Engadin hat es sicher Schnee.“ „Schnee ist immer gut.“ bemerkt Nio und vor lauter Vorfreude auf ein Stück süss duftenden und noch warmen Schokoladenkuchen klopft er sich sehr zufrieden auf sein kleines Bäuchlein. 

Mit ernster Stimme fragt Nio: „Können wir abmachen, dass heute der 21. Dezember ist?“ „Oh Nio, mein Nio, du kleines Schleckermaul - nein können wir nicht!“

 

Morgen erfährt ihr, wieso Schneemänner gerne reisen… 


43 | 888 - Tapfer

Annina stupst Nio keck auf seine kleine Rüblinase „Bis gleich - meis char.“ „Fin plü tard - bis später.“ antwortet Nio - und die Eisfachtür ging zu. An den Gedanken, im alten Griechenland vor einem mächtigen Tempel aus Eis zwischen Chione und Boreas zu stehen und bewundert zu werden, könnte sich Nio gewöhnen. So wandern seine Gedanken erneut ins alte Athen, wo er in einer dunkelblauen Toga durch die Menschenmenge schlendert, als er eine bekannte Stimme vernimmt. 

„Alte und junge Menschen weinen. Krokodile und Elefanten weinen.“ In Gedanken schweift Nio kurz zu den Homerischen Epen, Weinen hatte hier eine zentrale Rolle inne. Doch die Stimme von Blubb holt Nio wieder zurück in die Gegenwart. „Wieso können Löwen nicht weinen?“ 

Nio beginnt mit seinem typischen „Nun“, welches er immer anwendet, wenn er sich bedeutend anhören möchte. „Nun, wenn der Körper und der Geist eines Lebewesens in einer aussergewöhnlichen Situation keine Antwort haben, wird der Ausdruck zum Ausdruck.“ Und nach einer kurzen Pause fügt Nio an: "Löwen sind tapfer, während der Rest der Welt weint."

Zufrieden lässt Blubb eine Luftblase steigen. „So, so, der Ausdruck wird zum Ausdruck.“ – und schliesst dabei wohlgemut seine Augen.


Morgen erfährt ihr, warum Schneemänner jeden Tag Geburtstag haben…


42 | 888 Nordwind

Nio betrachtet das Katzenbüsi Stria, wie es zufrieden auf dem Fensterbrett schläft. Dabei sieht Stria so stolz aus, wie auf einem der vielen Katzenbilder der Ägypter und Griechen. Nio schaut hinaus in den Regen und fragt sich, ob die Griechen wohl auch einen Gott für den Schnee hatten. „Hatten die Griechen für alles einen Gott?“, will Nio von Annina wissen, die in der Küche begonnen hat, den Frühstückstisch zu decken. „Ja, ich glaube schon. Für alles, was sie sich nicht erklären konnten, hatten sie einen Gott“, antwortet Annina.

„Auch für den Schnee?“, will Nio wissen. „Auch für den Schnee - aber es war eine Göttin!“ „Eine Frau? Aber es heisst doch der Schnee und der Schneemann!“, bemerkt Nio. „Chione war die Tochter von Boreas dem Gott des Nordwindes“, erklärt Annina. Nio bewundert die Ausdauer des noch immer schlafenden Katzenbüsi, „Die Griechen wussten eben noch, dass sie alles Gute den Göttinnen verdankten“, stellt Annina befriedigend fest.

Doch Nio sieht sich vor seinem geistigen Auge schon vor einem griechischen Tempel zwischen Chione und Boreas auf einem Sockel thronen. Die Menschen würden ihn bewundern und wenn es in Griechenland beginnt zu schneien, danken sie ihm das indem sie ihm Körbe voller leckerer Eiswürfel mit Marmelade, Sirup und Marshmellows darbieten würden. Es ist eine wunderbare Vorstellung. Nio kann schon das Gewicht vonseinem dunkelblauen Umhang spüren, der anmutig über seinen Schultern liegt und im Nordwind weht - doch die Worte „Komm’, mein kleiner Träumer - ich bringe dich zurück in dein Eisfach“, holen Nio zurück in die Gegenwart. Annina nimmt Nio sorgsam hoch und bringt ihn hinüber zum Eisschrank. „Aber, aber…“, stottert Nio. „Nichts aber… jetzt gibt es erstmal für Mama und mich Frühstück. Danach sehen wir weiter.“ Traurig blickt Nio auf den Boden des Eisfaches. „Die griechischen Götter waren Helden, also schau nicht so traurig aus der Wäsche - du kleiner Schneegott.“


Morgen erfährt ihr, warum die Welt Tränen braucht…


41 | 888 - Ikarus

Nio sitzt alleine auf dem Fensterbrett in der Küche. Er schaut hinaus in den Regen und beobachtet die Menschen. Zählt die Regenschirme. Da springt das kleine Katzenbüsi Stria zu ihm hoch. Kurz schaut es aus dem Fenster und einer Taube nach, gähnt und kuschelt sich dann gemütlich ein. „Wenn Schneemänner fliegen könnten…“, denkt Nio und schaut dabei an sich herunter., „Wir Schneemänner sehen fast gleich aus wie eine Taube. Runder Bauch, kleiner Kopf. Es fehlen nur die Federn.“ Draussen auf dem Baum beobachtet er die Taube von vorhin und vergleicht sich mir dieser. „Von der Grösse her würden die Federn der Taube gut passen.“

Kurzentschlossen packt Nio einen seiner Eiswürfel und klopft mit diesem gegen die Fensterscheibe, in der Hoffnung, dass die Taube zum ihm herüber schaut. Doch die Taube scheint das Klopfen von Nio zu ignorieren, nur Stria öffnet müde ihre Augen, um zu sehen, was Nio da treibt. Doch Nio gibt nicht auf und klopft erneut, diesmal mit aller Kraft, gegen die Fensterscheibe.

„Nio, mein Nio, was machst du da?“, ertönt die Stimme von Annina. Erschrocken fährt Nio herum. Gähnend und die Augen reibend steht Annina am Türrahmen angelehnt in der Küchentür. Nio zeigt mit seinem Arm zögerlich aus dem Fenster: „Also… ich habe gedacht, ich könnte die Taube da draussen fragen, ob sie mir ein paar Federn ausleihen könnte.“ Annina schüttelt verständnislos ihren Kopf: „Federn leihen, für was?“ Nio schaut auf sein kleines Bäuchlein. „Tauben und Schneemänner haben die gleiche Figur“, erklärt er stolz, „da dachte ich, mit einer paar Federn könnte ich vielleicht nach Hause ins Engadin fliegen.“

Annina überlegt kurz. „Kennst du die Sage von Ikarus?“ Nio schüttelt seinen kleinen Kopf. „Ikarus wollte auch fliegen und hat sich mit Wachs Federn an die Arme gemacht. Als er der Sonne zu nahe kam, wurde das Wachs warm, die Federn fielen ab und Ikarus stürzte in die Tiefe“, erzählt Annina. Nios Augen werden gross und er fragt begeistert nach: „Also, würde es funktionieren, wenn ich nicht zu hoch fliege?“ „Nein, mein Lieber, das ist nur eine griechische Sage. Schneemänner und Menschen können nicht fliegen. Am sichersten ist es allemal mit dem Zug ins Engadin zu fahren.“


Morgen erfährt ihr, wieso Nio ein Grieche sein möchte…


40 | 888 - Familie 

Als Lucia in die Küche kommt, um sich einen Kaffee zu machen, träumen Nio und Annina in den verregneten Morgen hinaus. Dabei schlürft Annina ihren heissen Kakao und Nio knabbert an seinen Eiswürfeln mit Erdbeermarmelade. „Bun di ihr beiden, gut geschlafen?“ Annina antwortete mit einem verträumten „Ja…schon!“

Nio hört die Frage gar nicht, er beobachtet, wie draussen vor auf dem Fensterbrett die Regentropfen zerplatzen. Mit dem monotonen leisen Klopfen der Regentropfen fliegen seine Gedanken weit weg ins Engadin. Dabei fragt er sich, wieso in den Bergen öfter die Sonne scheint als in der Stadt. In seinen Gedanken geht Nio durch das Engadin, durch die Wälder, über die Felder und durch das steinige Flussbett des Inn. Dabei fällt ihm auf, dass er in der Stadt noch nie einer Vogelscheuche begegnet ist.

„Hat Linard eigentlich Familie?“, will Nio von Annina wissen. Noch in ihren eigenen Träumen versunken, musst Annina zuerst nachfragen, welchen Linard Nio meint. „Linard, unsere Vogelscheuche im Engadin“, erklärt Nio und Annina erwidert „Nein, ich glaube Vogelscheuchen sind Einzelgänger. Aber warum willst du das wissen?“ „Ich dachte nur so…“, Nio sucht nach den richtigen Worten für seine Gedanken „…könnte es sein, dass die Vogelscheuchen unterschätzt werden?“

In der Vermutung, dass nun eine grössere Diskussion ansteht und damit ihre Träumerein vorbei sind, stellt Annina ihre Kakaotasse hin: „Wie kommst du darauf?“ „Ich dachte…“, und als Nio diese Worte ausspricht, ereilt ihn das Gefühl, dass er etwas meteorologisch Weltbewegendes entdeckt hat. „Ich dachte, es könnte ja sein, das Vogelscheuchen wie Linard nicht nur Vögel sondern auch schlechtes Wetter vertreiben.“ „Und…?“ fasst Annina forschend nach. „Und, weil es in der Stadt keine Vogelscheuchen gibt, gibt es auch mehr schlechtes Wetter hier.“

Im Wissen, dass Nio falsch liegt, wiegt Annina nach einem Ausweg suchend ihren Kopf sanft hin und her. Nio doppelt nach: „Und wenn Linard Familie gehabt hätte, hätten wir diese zu uns in die Stadt einladen können und damit wäre das Wetter besser - logisch - od’rr?“ Annina atmet tief ein und aus. „Logisch“, wiederholt sie nachgebend. Ihr Blick wandert dabei müde zu ihrer Mama hinüber, die gerade ihren Kaffee fertig getrunken hat und zurück ins Schlafzimmer gehen will. „Darf ich mich nochmals zu dir ins Bett kuscheln?“, bettelt Annina.


Morgen erfährt ihr, warum Nio ein Zugbillett braucht…


39 | 888 - Patschifig

Während Nio und Annina auf ihrer Fensterbank den Menschen auf der Strasse zuschauen, gesellt sich das Katzenbüsi Stria zu ihnen. Liebesbedürftig und miauend kuschelt sich Stria an Annina. Nio fragt sich dabei, was Annina wohl vorhin damit meinte, als sie beim Öffnen seiner Eisfachtür zu ihm sagte, „Eins nach dem anderen, wie in Paris.“

So will Nio von Annina wissen: „Was hast du in Paris gemacht?“ Annina versteht die Frage nicht. „Was meinst du mit - in Paris gemacht?“ „Ich dachte, weil du sagtest, eins nach dem andern wie in Paris, warst du schon mal da.“ Annina muss schmunzeln und korrigiert gleich das Missverständnis: „Ich war noch nie in Paris!“

Nun ist Nio doch etwas irritiert „Aber von wo weisst du denn, dass in Paris eines nach dem anderen kommt?“ „Das weiss ich nicht…“, entgegnet Annina „…das ist ein Sprichwort, das ich in der Schule gelernt habe. Eigentlich heisst es ‚Il faut faire comme on fait à Paris, il faut laisser pleuvoir‘ also soviel wie man soll die Dinge so nehmen, wie sie kommen.“

Nio hört kurz in sich hinein und versucht zu wiederholen „Il faut faire comme - ähmm - Paris - blablabla… - das ist viel zu kompliziert. Könnte es nicht besser heissen, eins nach dem anderen wie im Engadin - oder ganz einfach - Patschifig!“ Annina schüttelt lachend ihren Kopf. „Nio, mein Nio. Du verrückter bonhomme de neige.“

Morgen erfährt ihr, was die Vogelscheuche Linard sich wünscht..


38 | 888 - Fliegende Elefanten

Am Morgen, als Annina das Eisfach öffnet, ist Nio schon voller Erwartung auf die Antwort auf seine Wolkenfrage vom Vorabend. „Können wir gleich frühstücken?“, will Nio mit weit ausgestreckten Armen wissen. „Eins nach dem anderen, wie in Paris“, entgegnet Annina ihrem kleinen Freund und nimmt ihm aus dem Eisfach, um danach das Frühstück vorzubereiten.

Nio schaut hinaus in den Morgenhimmel und ist darüber betrübt, dass die Stadt und der Himmel in seinem Traum bunter waren, als das monotone Grau in Grau des heutigen Morgens. Annina setzt sich mit einem Kakao und Marmeladebrot zu Nio auf das Fensterbrett. Für Nio bringt sie eine paar Eiswürfel mit etwas Erdbeermarmelade mit.

„Also, wie schwer ist eine Wolke?“, insistiert Nio. „Eine Wolke besteht aus vielen tausend kleinen Wassertropfen, die in der Luft schweben“, erklärt Annina. Dabei schaut Nio nachdenklich in den Himmel. „Und da Wolken viel grösser sind als sie von hier unten erscheinen, sind sie wegen dem Wasser viele Tonnen schwer. So schwer wie eine ganze Elefantenfamilie.“

Jetzt ist Nio plötzlich hellwach. „So schwer wie eine Elefanten Familie…“, wiederholte er und hängt seinen Gedanken nach, „…aber wenn die Wolken so schwer sind, könnte ja die Erde aus dem Gleichgewicht geraten.“ Annina entgegnet: „Nein, keine Angst, das geschieht nicht.“

Nio interpretiert die Antwort von Annina so, dass eine unbekannte physikalische Kraft, die von Einstein noch nicht entdeckt wurde, auf der anderen Seite der Erde als Gegengewicht für den Ausgleich verantwortlich sein muss. So folgert Nio: „Also, dann fliegt auf der anderen Seite der Erde, als Gegengewicht zu unseren Wolken, eine ganze Elefantenfamilie am Himmel.“

Um Nio seine eigene unrealistische physikalische Theorie zu widerlegen, fragt Annina herausfordernd nach: „Das würde aber bedeuten, dass die Menschen auf der anderen Seite der Erde jetzt fliegende Elefanten am Himmel sehen müssten - od’rr?“ Nio sieht den Sinn hinter der Frage durchaus, was sein Weltbild für kurze Zeit etwas in Schieflage bringt. Doch zur selben Zeit fällt ihm die perfekte Lösung ein: „Da auf der anderen Seite der Erde nun Nacht ist, kann niemand die grauen Elefanten am dunklen Nachthimmel fliegen sehen.“

Über die simple wie einleuchtende Herleitung von Nio belustigt, nimmt Annina einen grossen Schluck Kakao und Nio knabbert zufrieden über sein wieder intaktes Weltbild an seinem Eiswürfel.


Morgen erfährt ihr, wieso in Paris alles langsamer geht...


37 | 888 - Bündnerblau

Im Gegensatz zu Nio, der nachdem die Tür des Eisfaches hinter ihm zu ging, vor lauter Müdigkeit gähnen muss, schlägt Blubb munter die Augen auf. Um einer der vielen tiefgründigen Fragen von Blubb aus dem Wege zu gehen, reckt und streckt sich Nio müde und reibt sich seine kleinen Kulleraugen: „Gute Nacht, Blubb!“

Nio horcht ein wenig in die unendlichen Weiten des Eisfaches hinein - Ruhe! Doch gerade als er einnickt, vernimmt er die tiefe Stimme von Blubb: „Rot ist eine Grundfarbe. Blau und Gelb sind auch Grundfarben.“ Gerade noch kann Nio seine Augen offen halten. Schon halb in einem Traum, sieht er die goldgelbe Sonne im tief blauen Bündnerhimmel über den herbstlich roten Lärchen im Engadin.

Während Nio noch immer durch seinen Traum im Engadin wandert, stellt Blubb die alles entscheidende Frage des Tages: „Wieso ist Grün, die Farbe der Natur, keine Grundfarbe?“ In seinen Gedanken stöbert Nio schlaftunken in der Goethe Farbenlehre und findet dort die passende Antwort. Um dieser die gebührende Wichtigkeit zu verleihen, stellt er ein sonores „Nun“ vorne an. „Nun - Grün kann synthetisch nur durch Mischen hergestellt werden. Nur die Natur kann organisch Grün herstellen, der Mensch nicht.“

Und danach rutscht Nio, schwupp die wupp, in einer Hand einen blauen Farbeimer, in der anderen Hand einen gelben Farbeimer, in seinen wohlverdienten Traum. In diesem verjagt die Dackeldame Mimmi laut kläffend die grauen Wolken über den Häusern der Stadt und er, Nio, malt danach einen Bündnerblauen Himmel über der Grossstadt, auf welchem eine gelbe Sonne lacht. Und die Bäume in der Strasse bemalt er in leuchtendem Kodakcolor-Grün.

Im Traum sitzt er am nächsten Morgen mit Annina auf dem Fensterbrett und betrachtet, wie sein blauer Himmel, die von ihm gemalte gelbgoldige Sonne und grünen Bäume die Menschen auf ihrem Arbeitsweg fröhlich stimmen.  

Nio ist mit Mimmi schon weit weg auf dem Weg durch sein Traumland, als Blubb wiederholt, „So, so, nur die Natur kann Grün“ und dabei zufrieden seine Augen schliesst.


Morgen erfährt ihr, was Elefanten mit Wolken zu tun haben…


36 | 888 - Regenwolken

Nachdem Annina ihre Hausaufgaben erledigt und Lucia die Küche aufgeräumt hat, will Annina ihren Nio in sein Eisfach stellen. Doch dieser murrt wie immer, wenn er zurück in sein kleines Zuhause muss. „Darf ich nicht noch etwas wach bleiben?“, bettelt Nio. „Gut, aber nur solange, bis ich meinen Pyjama an und ich die Zähne geputzt habe.“

Annina stellt Nio behutsam auf die Fensterbank - und dazu noch ein paar Eiswürfel. Vor sich hinsummend und einen Eiswürfel knabbernd schaut Nio in den verregneten Abend hinaus. Die dunklen Wolken schieben sich schwer und mystisch über die Grossstadt. Gerde so, als ob sie jederzeit auf die Dächer der Häuser stürzen könnten.

Als Annina im Pyjama zu Nio ans Fenster kommt, hat Nio eine Frage: „Was geschieht, wenn eine Wolke vom Himmel fällt?“ Verwundert über die Frage, schaut Annina ihren Nio besorgt an: „Hast Du etwa Angst davor, dass die Wolken herunter fallen könnten?“ „Ja, weil der Häuptling bei Asterix und Obelix hat auch immer Angst, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt.“

Annina schmunzelt. „Asterix ist doch nur eine Geschichte, das geschieht in Wirklichkeit nicht. Abgesehen davon: bevor eine Wolke runterfällt, beginnt es zu regnen“, erklärt sie ihm. Nio scheint der Sache nicht zu trauen: „Wenn aber die Wolke herunterfallen würde, würde unser Dach dann halten?“

Annina schüttelt belustiget ihren Kopf: „Ja, würde es - und jetzt ab in dein Eisfach!“ Mit grossen ängstlichen Augen schiebt Nio eine weitere Frage an Annina nach: „Wie schwer sind denn Wolken?“ „Morgen regnet es auch noch. Das erzähle ich dir beim Frühstück“, entgegnet Annina und stellt ihren Nio mit einem Gutenachtkuss ins Eisfach.

 

Morgen erfährt ihr, warum Nio goldig Träumt…


35 | 888 - Du kleiner Furbaz

Der Einwand von Annina, dass auch ein Ungeheuer, das in Seenot geraten ist, Hilfe bekommen soll, mach Nio nachsichtig.

„Also gut…“, fährt er weiter fort, „Gino und Gian hatten Mitleid mit dem Seeungeheuer Avitiri und steuerten geradewegs auf dieses zu. Gerade noch rechtzeitig, bevor Avitiri vor Erschöpfung drohte unterzugehen, zogen die beiden das Ungeheuer an Bord. Doch das Ungeheuer, dessen Panzer mit rosa glänzenden Perlmuttschuppen überzogen war, hatte so ein langen Schwanz, dass dieser neben dem Schiff im Wasser hing und das Schiff dadurch drohte zu kippen. Doch die beiden Seeräuber fanden Richtung Nord-Nordost eine stille Bucht, wo sie vor Anker gingen.“

Zufrieden und erleichtert über den erfreulichen Verlauf der Geschichte lehnt sich Annina in ihrem Stuhl zurück. Was das Katzenbüsi Stria als Einladung ansieht, Annina auf den Schoss zu hüpfen. Gemeinsam sehen die beiden Nio erwartungsvoll an, wie wohl die Geschichte zu Ende geht.

„Ach ja - so. Als der Strum vorbei war und sich das Seeungeheuer sich wieder erholt hatte, verriet es den beiden Piraten zum Dank für die Rettung das Geheimnis des Schatzes der Prinzessin Schneeflocke. Danach hüpfte das Seeungeheuer über Board und verschwand im tiefblauen Wasser des Bergsees.“

„Und dann…?“ will Annina wissen und das Katzenbüsi miaut herzzerreissend.  Auch Lucia schaut gespannt zu Nio hinüber. „Und nichts - und dann!“ „Aber wie geht die Geschichte zu Ende?“, drängt Annina Nio zu einer Antwort. Nio bleibt geheimnisvoll: „Könnt ihr ein Geheimnis für euch behalten?“

Erwartungsvoll nicken Annina und Lucia stumm. „Gut - denn die beiden Seeräuber Gino und Gian haben das Geheimnis vom Schatz im Caumasee bis zum heutigen Tage auch für sich behalten.“ „Ach, nein - du bis so, so… ein Furbaz. Mein kleiner Lausbub warte nur, das nächste Mal, wenn du Marmelade auf deine Eiswürfel magst, dann, dann…“ wettertet Annina lachend.


Morgen erfährt ihr, warum Wolken nicht herunter fallen...


34 - 888 | Das Seeungeheuer

Während Annina weiter ihrer Hausaufgaben macht, erzählt Nio mit gespielt tiefer Stimme: „Als die Seeräuber Gino und Gian mit ihrem Schiff endlich vom Bach den See erreichen, zieht ein mächtiger Föhnsturm auf. Vorne am Bug des Segelschiffes brüllt Gino gegen den Wind‚ wir müssen Richtung Nord-Nordost, dort liegt der Schatz im Crestasee!‘ “

Annina schaut von ihren Hausaufgaben auf und schaut Nio fragend an: „Was bedeutet Nord-Nordost?“ Nio schaut sich unsicher in der Küche um sucht dabei nach einer Antwort. „Nun, dass muss, ist vermutlich also irgendwie da…“, und zeigt mit seinem rechten Arm Richtung Fenster, wo sich gerade das Katzenbüsi Stria streckt und reckt. Und weil es sich gerade so passend ergibt, fährt Nio die süsse Stria als Ideengeber nehmend, fort: „In dem Moment, wo Gino das Kommando Nord-Nordost in den Wind brüllt, taucht ein katzenbuckliges Ungeheuer aus dem Crestasee.“

„Mein Katzenbüsi ist aber kein Ungeheuer“, protestiert Lucia lachend. „Doch, doch…“, fährt Nio weiter, „jedoch ist das Ungeheuer Avitiri ganz bleich im Gesicht.“

Annina wiederholt fragend „Bleich im Gesicht? Ein Ungeheuer?“ Für einen kurz Moment, etwa so lange wie ein Blitz am Crestasee braucht, um in einen Skistock einzuschlagen, ist Nio über die Frage von Annina irritiert. Doch seine Antwort auf ihre Frage ist ebenso blitzschnell, wie der Donner der danach folgt: „Das Seeungeheuer war durch die vielen Wellen vom Föhnsturm seekrank geworden.“

Annina muss laut lachen: „Ein Seeungeheuer das seekrank wird. Das gibt es doch gar nicht.“ Nio runzelt entrüstet seine Stirn und erwidert „Frag mal Blubb, der wird sogar seekrank, wenn es nicht stürmt.“  

„Gut, und weiter…?“, will Annina wissen. „Als das Seeungeheuer Avitiri auftaucht und die Seeräuber Gino und Gian sieht, ruft es laut um Hilfe. Doch die Seeräuber glauben, dies sei ein schelmischer Trick von Avitiri und machen die Bordkanone klar zum Abfeuern.“ Annina unterbricht Nio: „Nein, nein - du bist so gemein…“ „Wieso?“, will Nio wissen. „Wenn jemand in Seenot ist, muss man ihn retten!“

Morgen erfährt ihr, wie Gino das Seeungeheuer rettet…


33 | 888 - Crestasee

Während Lucia den Abwasch des Geschirrs vom Abendessen macht, sitzt Annina mit ihren Hausaufgaben am Küchentisch. Geographie - für Annina ein Graus. Es gibt einfach zu viele Orte, Berge und Flüsse, Kontinente und Länder auf dieser Erde. Heute ist der Kanton Graubünden dran. Da fällt ihr ein, dass sie Nio fast im Eisfach vergessen hat. Sie öffnet das Türchen so schwungvoll, dass Blubb sich an einer Luftblase verschluckt und Nio vor Schreck die Mütze ins Gesicht rutscht. „Nio, ich brauche dringend deine Hilfe!“

Voller Erwartung und stramm wie ein kleiner Held stellt sich Nio in seinem Eisfach auf : „Aye aye Kapitän - ich bin bereit, die Welt zu retten“, und etwas leiser: „wie ein James Bond.“

„Nicht so stürmisch!“, beruhigt ihn Annina, „Es geht nur um meine Hausaufgaben.“ Mit einem traurigen „Schade“ nimmt Nio die Antwort von Annina entgegen. Als er auf dem Küchentisch die Unterlagen sieht, bemerkt er freudig „Das ist doch ganz einfach - Graubünden ist doch der Kanton wo im Winter der Schnee zuhause ist“ erklärt Nio begeistert.

„Geographie ist doof…“ murrt Annina. Sie muss auf einer Landkarte die Namen der wichtigsten Orte, Berge und Flüsse eintragen. Die Kantonshauptstadt Chur ist einfach. Auch den Inn, der durch das Engadin fliesst, hat Annina schnell gefunden, den Piz Bernina ebenfalls. Doch wo ist schon wieder Flims?

Mit geheimnisvoller Stimme beginn Nio zu erzählen: „Jeden Frühsommer sind im Connbächli in einem kleinen Holzschiffchen die schrecklichen Seeräuber Gian und Gino unterwegs hinunter zum Crestasee…“, und mit leichternden Augen ergänzt Annina weiter: „Und im Crestasee suchen sie den versunkenen Schatz der Prinzessin Schneeflocke!“

„Die Sage berichtet, dass in der Schatzkiste tausendnundein honigsüsse goldene Schokoladentaler sind…“, träumt Nio weiter. „Yepp! Der Crestasee ist bei Flims!“, und sogleich findet Annina auf ihrer Karte in der Surselva den gesuchten Ort. „Nio, mit deinen Abenteuern macht Geographie richtig Spass!“


Und morgen erfährt ihr, wer Avitiri ist...


32 | 888 - Auf Besuch bei Einstein

„Es war ein toller Tag, schön, dass Du mit gekommen bist“ flüstert Annina ihrem kleinen Schneemann zu, als sie ihn wieder in das Eisfach zurückstellt. Gespielt verlegen hält Nio Annina seine Wange hin. Schmunzelnd drückt Annina ihm sanft einen Kuss auf die Wange. Mit einem „Bis später, mein kleiner Charmeur“, schliesst Annina das Türchen zum Eisfach.

Zum Glück sieht sie nicht, wie Nio vor Entzücken errötet. Als der Schneemann sich seine Mütze zurecht zieht, räuspert sich Blubb im Hintergrund: „Erdbeeren fühlen sich ausgesprochen wohl in Einmachgläsern. Eingelegte Gewürzgurken werden in Einmachgläsern vor lauter Glück besonders sauer. Und Gummibärchen feiern die wildesten Parties in Einmachgläsern.“

Nio dreht sich zu Blubb um und fragte sich, ob wohl Marshmallows gerne in einem Einmachglas wären. „Aber wieso kann man Licht nicht im Einmachgläsern aufbewahren?“, stellt Blubb als Frage in den Raum des dunklen Eisfaches.

Für einen kurzen Augenblick, ungefähr so lange wie ein bemaltes Ei braucht, um zu Boden zu fallen, wenn es dem Ostermungg aus den Händen fällt, ist Nio ratlos. „Nun - hmm - also…“, sucht er nach einer sich schlau anhörenden Antwort.

„Nun, Licht kommt von weit her und ist nur auf der Durchreise“, erklärt Nio und klopft sich dabei bestätigend auf sein Bäuchlein „Und im übrigen ist Licht furchtbar schnell, viel schneller als eine Schneeflocke. Deshalb hat Licht auch keine Zeit für grosse Parties in Einmachgläsern“, stellt er mit physikalischer Scharfsinnigkeit fest.

„So, so, keine Zeit…“, murmelt Blubb zufrieden und schliesst seine Augen.


Morgen erfährt ihr, wo der Schatz im Crestasee liegt…


31 | 888 - Vorne bitte rechts abbiegen

Als es Abend wird und Lucia und Annina nach Hause aufbrechen, blickt Nio über den Rand seiner Kühlbox heraus wie ein Kapitän, der an der Schiffsreling Ausschau nach dem sicheren Hafen hält. Als Annina und Lucia mit ihren Velos aus dem Wald hinaus und hinein in die Grossstadt fahren, wird Nio von Ampel zu Ampel übermütiger. An einer der Ampeln schliesst er mit einem Teddybär, der auf dem Rücksitz eines offenen Cabriolets sitzt, die Wette ab, wer schneller zu Hause ist, hat gewonnen. 

Die Ampel springt auf Grün und mit der Stimme eines Kommandanten befiehlt Nio: „Also dann, volle Kraft voraus!“ „Nio, das schaffen wir nie“, entgegnetet Annina nach Luft schnappend. „Wieso nicht?“ „Weil dein neuer Freund mit dem Cabriolet viel schneller ist, als wir mit dem Velo.“ 

Obwohl es den kleinen Schneemann schmerzt, muss Nio zugeben, dass der Teddy im Auto tatsächlich viel schneller ist, als Annina und er im Velo. „Dann nehmen wir eben eine Abkürzung!“ schlägt Nio vor, „schau die fahren dort vorne gleich links weg, dann fahren wir rechts.“ Annina schüttelt verständnislos ihren Kopf: „Nein, wieso? Nach Haue müssen wir geradeaus!“ 

Vorwurfsvoll schaut Nio aus seiner Kühlbox zu Annina zurück „Bist du sicher?“ „Yepp. Wer von uns beiden ist die Grossstadtpiratin?“ „Du!", gibt Nio kleinlaut bei und schaut dem Cabriolet nach, wie es im Meer der vielen Autos untergeht. Schüchtern winkt er zum Abschied seiner kurzen Freundschaft hinter her. 

Den Rest der Fahrt sitz Nio in eine Ecke angelehnt in der Kühlbox und knabbert missmutig an einem seiner Eiswürfel. Erst als er die Stimme von Annina vernimmt „Wir sind Zuhause“ klettert er wieder hoch zum Rand der Kühlbox: „Ist er schon da?“, will Nio aufgeregt wissen. „Wer?“ entgegnet Annina. „Na, der Teddy im Cabriolet.“ „Wieso sollte der Teddy hier sein?“, fragt Annina erstaunt. „Na weil wir gewettet haben - wer zuerst zu Hause ist. Wenn er noch nicht da ist, dann sind wir erster und haben gewonnen - od’rr?" „Nio, mein Nio, du süsser Spinner. Ja, wenn Du es so siehst, haben wir gewonnen!“


Morgen erfährt ihr, wieso es im Eisfach kein Licht hat...


30 / 888 - Die vier Elemente

Mit geschlossenen Augen liegen Annina und Lucia auf dem Bootssteg in der warmen Frühlingssonne. „Im Engadin liegt noch Schnee“, stellt Nio nach einer Weile fest, während er an einem seiner Eiswürfel knabbert, um nicht zu schmelzen. Doch weder Annina noch Lucia haben Lust, Nio eine Antwort zu geben. Stattdessen lauschen sie dem Zirpen der Heuschrecken und Singen der Vögel.

Als Annina ihre Augen öffnet und Nio zuschaut, wie er sein letztes Stück Eiswürfel in sein Mund stopft, bemerkt sie: „Ich hab’ Hunger!“ „Dann lass uns was essen und ein Feuer machen. Ich habe noch eine Tüte Marshmallows dabei“, schlägt Lucia vor. Aus Freude über die Marshmallows springt Annina auf wie von einem Eiszapfen gestochen: „Dann los! Auf was warten wir noch?“

Als die drei kurze Zeit später ihre Marshmallows über dem Feuer braten, der Rauch in den Himmel zieht und das Feuer knistert, fragt Nio schneemannschlau: „Wisst ihr, wieso das Feuer knistert?“ Annina und Lucia schauen sich fragend an. „Weisst Du es denn?“, erwidert Annina hämisch.

„Nun…“ erklingt wieder das spezielle "Nun" von Nio, wenn er sich besonders schlau anhören will. „Nun, die Bäume sind die Traumfänger der vier Elemente.“ „Der vier Elemente…“, wiederholt Annina kritisch. „Ja, der vier Elemente. Mit seinen Ästen und Blättern fängt der Baum den Wind. Mit seinen Wurzeln gibt der Baum der Erde Halt. Beim Vollmond zieht der Baum das Wasser, wie in einem Reservoir hoch in den Stamm und bei Leermond gibt er das Wasser zurück in das Erdreich. Und sein Holz ist die Nahrung für das Feuer das die Dunkelheit vertreibt.“

Beeindruckt von der Sichtweise interessiert sich Annina nun doch, warum das Feuer knistert.

„Es gibt Bäume, die stehen viele hunderte Jahre still und stumm da und hören Tag und Nacht den vier Elemente zu, wenn sie über ihre schlechten Träume klagen, darüber wie es unserer Welt so ergeht. All die sorgenvollen Träume der vier Elemente sind im Knistern des Feuers vereint. Nehmt euch Zeit und hört ihm zu.“ Eine Weile sitzen die drei ohne ein Wort zu sagen am Feuer und lauschen dem Knistern.

„Also, auf das Wohl der Bäume!“ durchbricht Annina die Stille und beisst herzhaft in ihr Marshmallow.

 

Morgen erfährt ihr, wieso Schneemänner sich leicht verirren…


29 | 888 - Der Eisschwimmer

Gemeinsam sitzen Nio, Annina und Lucia auf ihrer Picknickdecke. Lucia und Annina spielen Eile mit Weile. Nio schaut fasziniert zu und knabbert dabei einen seiner Eiswürfel. Als Annina sich diebisch darüber freut, dass sie eine der Figuren ihrer Mama kurz vor dem Ziel wieder zurück auf Start setzen kann, staunt Nio nicht schlecht.

Nio möchte wissen, warum es jemandem so Freude machen kann, einen anderen zu ärgern. „Das ist nur ein Spiel“, erklärt Annina. Nio schaut Lucia in die Augen: „Aber wieso ärgert sich dann Lucia so?“ „Ach, dass ist doch nur ein Spass!“, erklärt Annina.

Nio schweigt und versucht zu ergründen, warum alle Verlieren als Spass bezeichnen, obwohl sie sich insgeheim darüber ärgern. In diesem Moment zieht Lucia mit einer Figur an Annina vorbei, sodass es  wieder unentschieden ist.

Annina regt sich darüber dermassen auf, dass sie vor Entsetzen laut aufschreit: „Mama, dass ist gemein, ich hätte eben fast gewonnen!“

Lucia schlägt lachend vor, wer zuerst im Wasser ist, sei der Tagessieger. Sie springt behände auf, zieht ihren Pullover und Rock aus und rennt im Bikini zum Bootssteg. „Ach, Mama das ist unfair!“, ruft Annina ihr hinterher. Das Mädchen blickt hilfesuchend auf Nio: „Kommst Du auch mit?“ Nio schüttelt verängstigt seinen Kopf.

„Bist Du Nichtschwimmer?“, will Annina wissen, als sie sich auch bereit zum Schwimmen macht. „Alle Schneemänner können schwimmen, aber nur, wenn das Wasser gefroren ist.“, lautet die Antwort. Annina packt ihren kleinen Nio, läuft mit ihm zum Bootssteg und setzt ihn dort ab. Mit Anlauf hechtet sie mit einem grossen Platscher in den See „Es ist so herrlich! Du weisst nicht, was du verpasst!“, ruft Annina ihrem Nio zu. „Warte nur, im Winter, wenn der Lai Nair gefroren ist, sage ich das selbe zu dir!“

 

Morgen erfährt ihr, wieso ein Feuer knistert…


28 | 888 - Hollywood 

Vor lauter Aufregung des Picknicks wegen hat Nio in seinem Eisfach ganz vergessen, ein Bündner Abenteuer aus einer der vielen kleinen Wolken auszupacken. Wenn kleine Schneemänner vor Vorfreude hüpfen könnten, das wäre jetzt so ein Moment für Nio. Endlich öffnet Annina die Tür zum Eisfach. „Geht es jetzt los?“ stürmt Nio und rudert wild mit seinen kleinen Armen um sich.

„Nur nicht so wild, meiner kleiner Nio!“ Annina packt Nio vorsichtig in die Kühlbox und leert gleich noch einen Berg Eiswürfel mit dazu. Kaum sind Lucia und Annina mit ihren Velos unterwegs, klopft Nio wie wild mit einem Eiswürfel gegen die Kühlbox.

An der nächsten Ampel öffnet Annina den Deckel ein Spalt. „Was ist denn los, mein Kleiner?“, will sie besorgt wissen. Aufgeregt ist Nio zu hören: „Sind wir schon da?“ Annina versucht Nio zu beruhigen. Doch Nio ist beharrlich: „Wann sind wir da?“ Annina erklärt gutmütig „In einer halben Stunde.“ „Ist eine halbe Stunde noch lange?“, will Nio wissen. Annina überlegt: „So lange, wie eine Schneeflocke braucht bis sie zur Erde gefallen ist.“ „So lange! Kannst du nicht ein bisschen schneller fahren?“, drängelt Nio und Annina versucht die Frage durch Schweigen vergessen machen.

Doch nur eine kurze Zeit später ist Nios Stimme wieder zu hören: „Sind wir schon da?“ Annina schiebt den Deckel der Kühlbox zur Seite: „Schau doch selbst, du süsser Rabauke.“ Nio streckt seinen kleinen Kopf heraus.

Vor lauter Staunen über die grossen Häuser, die viele Autos und Menschen, vergisst er die Zeit. Als die drei auf einer langen Strasse durch den Wald fahren, erzählt Lucia, dass Nio und Annina sie an einen Film erinnern. Dort fuhr ein Junge auf seinem Velo mit seinem besten Freund im Korb am Lenker auch durch einen Wald, doch irgendwann sei das Fahrrad abgehoben und im Licht des Vollmonds in den Himmel geflogen.

Nio schaut erwartungsvoll zu Annina zurück, „Ich hab’ doch gesagt du sollst schneller fahren. Das wäre sicher hilfreich beim Abheben!“ „Ach, du verrückter kleiner Schneemann. Fahrräder können nur in Hollywood fliegen.“ Unternehmungslustig fasst Nio nach: „Ist es noch weit bis Hollywood?“

Doch kaum hat Nio die Frage gestellt, entdeckt er durch das Grün der Bäume und Büsche das Glitzern eines Sees.

„Sind wir jetzt da, da, da?“, stottert Nio nervös. „Ja, jetzt sind wir da.“, antwortet Annina und stellt ihr Velo an einen Baum. „War ich als kleines Mädchen auch so ungeduldig, wenn wir unterwegs waren?“, will Annina von ihrer Mama wissen „Ungeduldig - du warst eine Nervensäge“, antwortet Lucia lachend… Während Nio aus seiner Kühlbox heraus das Glitzern des Sees bestaunt, packen Annina und Lucia den Rucksack aus.

 

Morgen erfährt ihr, wieso Nio nicht schwimmen kann…


27 | 888 - Die Farbe Regenbogen

Nio hat schon die Hälfte seines dritten Eiswürfels, diesmal mit einem Löffel Orangenmarmelade, geknabbert, als Lucia den Vorschlag macht, den Sonntag mit einer Fahrradtour ins Grüne zum See zu verbringen. Annina ist begeistert und Nio etwas irritiert. „Aber ich habe gar kein Fahrrad“, stellt er fest.

„Ach, Nio, mein lieber Nio. Wenn wir dich mitnehmen, dann nur in einer Kühlbox.“, sagt Annina. Nio rümpftseine Nase: „Aber beim Picknick will ich dann dabei sein. Versprochen?“ „Versprochen. “, erwidert Annina, „Bis wir los fahren, darfst du wieder in dein Eisfach.“ So stellt das Mädchen Nio ins Eifach, während sie und ihre Mama sich für den Ausflug bereit machen.

Kaum ist das Türchen zu, öffnet Blubb verschlafen seine Augen und räuspert sich ausgiebig. Und Nio, wie immer, wenn er im Eisfach ist, versucht sich im Auspacken von kleinen Wolken am Bündnerhimmel. „Da muss doch noch eine angefangene kleine Wolke vom letzten mal sein…“, denkt er sich. Doch während Nio in seinen vielen umherschwirrenden Gedanken endlich die kleine Wolke am Piz Nair findet, vernimmt er weit weg die sonore Stimme von Blubb: „Das Universum ist in allen Richtungen schwarz. Der Himmel ist überall gleich blau und Blut ist immer rot…“

Auch wenn sich Nio für eine lange Sekunde intensiv bemüht, die Andeutungen von Blubb zu verstehen - es ist vergebens. Doch Blubb befreit ihn kurzerhand mit der Frage: „Was für eine Farbe hat die Zeit?“ Nio ist kurz irritiert. Doch wie immer findet er in der Unendlichkeit des Bündnerhimmels eine passende Antwort. „Die Farbe der Zeit ist die Farbe Regenbogen.“, antwortete er. „So, so, Regenbogen…“, murmelt Blubb zufrieden und schliesst seine Augen.

 

Morgen erfährt ihr, wie weit weg der See ist...


26 | 888 - Eine höfliche Vogelscheuche

Nio hat gerade den letzten Bissen seines ersten Eiswürfels hinunter geschluckt, als er Annina bereits den zweiten auffordernd hinhält: „Rhabarber bitte!“ Annina gibt mit dem Löffel behutsam ein wenig Rhabarbermarmelade auf den Eiswürfel.

„An diesem Morgen also...“ Lucia nimmt noch ein grossen Schluck ihres Kaffees bevor sie weitererzählt, „…holte Opa Linard aus dem Kleiderschrank seinen schrecklichsten Pullover und in der Küche die älteste Pfanne. Mit zwei Holzlatten zimmerte er eine Vogelscheuche zusammen. Die alte Pfanne wurde der Kopf und damit die Vogelscheuche Gian Gieri nicht frieren musste, bekam sie über den Pullover noch eine mit Farbklecksen überzogene Werkstattschürze.“

Annina kann sich gut vorstellen, wie die Vogelscheuche aussah: „Das hört sich aber nicht gerade so an, als ob kleine Schneemann vor Gian Gieri Angst haben müsste,“ bemerkt Annina mit einem kecken Blick zu Nio.

„Und genau das war das Problem“, erwidert Lucia, „Opa Linards Vogelscheuche war zu nett und höflich. Die Vögel machten sich schon bald lustig über Gian Gieri. Sie setzten sich gemütlich auf dessen Arme und klopften mit ihrem Schnabel frech an seinem blechernen Kopf.“

Mit grossen Augen und viel Mitleid für Opa Linard und seinen Salat fragt Annina: „Und dann?“ „Und dann…“ dabei öffnet Lucia ein Joghurt und nimmt einen Löffel davon, „…ging Opa jeden Tag nach dem Mittagessen mit seinem Kaffee in den Garten. Er setzte sich auf die kleine Mauer unter dem Baum, und wenn es abends warm genug war, dann genoss Opa auch mal ein Glas Veltliner bei Gian Gieri. Dabei berichtete Opa der Vogelscheuche jeweils, was in der weiten Welt draussen so alles geschah. 

„Aber wenn Gian Gieri zu höflich war, warum kamen dann die Vögel nicht mehr?“, will Annina wissen und Lucia erklärt, dass die Vögel nicht mehr kamen, weil Opa Linard sie mit seiner Anwesenheit verscheucht hat. Doch Nio widerspricht Lucia wehement: "Nein, sicher nicht! Denn dank der Freundschaft zu Linard wuchs Gian Gieris Selbstbewusstsein und Sicherheit als Vogelscheuche von Tag zu Tag. So lange, dass trotz seiner Höflichkeit alle Vögel grossen Respekt vor Gian Gieri bekamen und der Salat und die Rüebli ungestört, gross und rund werden konnten.“


Morgen erfährt ihr, welche Farbe die Zeit hat....


25 | 888 - Gian Gieri

Während in einer Pfanne fröhlich zwei Dreiminuteneier im sprudelnden Wasser tanzen und in der alten italienischen Macchinetta der Kaffee kocht, sitz Nio auf dem Frühstückstisch und probiert alle Marmeladen durch. 

„Nio, das gehört sich nicht. Man kostet nicht mit den Fingern alle Marmeladen durch“, mahnt Annina den kleinen Schneemann. „Aber, aber…“, will sich Nio verteidigen, „Ich muss doch wissen, was ich nachher auf meine Eiswürfel mag.“

Als Annina beginnt den Tisch zu decken, kommt Lucia eine Idee: "Lass uns doch ein gemütliches Frühstück im Bett machen." Anninas Augen glänzen vor Freude: "Und dabei erzählst Du uns eine Geschichte aus deiner Kindheit!" 

Als Lucia sich im Bett frischen Kaffee in die Tasse eingiesst, atmet sie den Duft tief ein: „Aus einer Macchinetta schmeckt der Kaffee gleich viel besser.“ Und Annina schwelgt in alten Erinnerungen „Weisst du noch, wie Opa im Engadin auf dem Holzherd in einer alten Macchinetta jeden Morgen Kaffee kochte? Das war immer so heimelig...“ 

Annina gönnt sich ein grossen Schluck Orangensaft und vor ihren Augen sieht sie die alte Chadafö. „Erzählst Du uns nun eine Geschichte aus dem Engadin?", drängt Annina. Und Nio, der an seinem Eiswürfel knabbert, murmelt: „Au ja, bitte eine Geschichte von Opa Linard!“ 

Lucia geniesst ein Schluck Kaffee und isst einen Bissen vom Zopf. „Mal überlegen... Habe ich euch schon die Geschichte von der Vogelscheuche Gian Gieri erzählt?“ Annina schüttelt mit vollem Mund ihren Kopf und Nio hüstelt ein „Nein“ hervor. 

„Opa Linard hatte eines Tages, ich war etwas so alt wie Du, Annina, die Idee in unserem Garten hinter dem Bauernhof, dort bei den Johannisbeeren neben dem Baum, Salat und Rüebli anzupflanzen. Doch kaum haben die Salatblätter aus der Erde hervorgeschaut, sassen auch schon die Vögel auf dem Baum. Und eines Morgens, als Opa Linard durch den Garten nach hinten zum Brunnen wollte, sah er, wie die Vögel seinen Salat frassen.“ 

Annina schluckt ihren Bissen herunter und stellt fest: „Wie gemein!“ Nio versteht nicht ganz, was daran schlecht sein sollte, wenn man etwas so Unappetitliches wie Salat teilt. Er teilt ja seine leckeren Eiswürfel auch. 

„Und dann…?“, will Annina wissen. 

„Und dann hat Opa Linard die Vogelscheuche Gian Gieri erfunden.“ 

Morgen erfährt ihr, was Gian Gieri so alles mit Opa Linard erlebt...


24 | 888 - Bun di - gut geschlafen?

Mit starrem Blick beobachtet Blubb nun schon eine kurze Ewigkeit, wie Nio nervös auf seinem kleinen Bäuchlein hin und her wippt. Endlich öffnet eine gähnende Annina die Eisfachtür. Noch im Pyjama und mit verschlafenen Augen murmelt sie, „Bun di, Nio - na, gut geschlafen?“ 

Vor lauter Nervosität weiss Nio gerade nicht, was er auf die Frage antworten soll. So kommt es ihm gelegen, dass Annina herzhaft gähnen muss. „Da ich beim Schlafen meine Augen zu hatte, weiss ich gar nicht, ob ich da war. Somit kann ich dir nicht sagen, ob ich gut geschlafen habe.“ 

Kurz hatte er den Gedanken, nochmals über seine Antwort nachzudenken, verwarf diesen aber dann. „Aber was ich weiss, nach dem Schlafen, also als ich wieder da und wach war, war es schrecklich langweilig.“ 

"Nio, es ist doch Wochenende! Da schlafen Mama und ich doch immer lange aus. Wieso schlaft ihr Schneemänner nicht auch mal aus?" Da muss Nio nicht lange überlegen: "Weil wir Schneemänner in der kalten Winterzeit auch am Samstag und Sonntag für die warmen Herzen der Menschen verantwortlich sind, kennen wir kein Ausschlafen." 

Irgendwie scheint Annina die Antwort logisch. „Gut, dann, lass uns gemeinsam Frühstück machen und wir wärmen das Herz und den Magen von Mama mit einem Frühstück im Bett." "Jaaaa...! Bekomme ich Rhabarbermarmelade auf meine Eiswürfel?" Annina rümpft ihre Nase: "Klar doch... lieber Du als ich!"


Morgen erfährt ihr, was sich Annina und Nio am Sonntag wünschen...


23 | 888 - Kusshand

Als Lucia in die Küche kommt, sprudelt Annina los: „Weisst Du was - Nio und ich haben heute einen Dackel gerettet. Ich war einkaufen - ohne Nio - und ich habe Abendbrot…“ Lucia küsst Annina anerkennend auf die Stirn. „Du bist grossartig. Ich habe nämlich mächtig Hunger. Stell deinen kleinen Schneemann in das Eisfach und komm zu Tisch.“

Behutsam packt Annina ihren Nio und stellt diesen in das Eisfach. Dabei raunt er: „Ich bin nicht klein - und wieso bekomme ich keinen Kuss?“ Annina sucht vergebens nach einer schlichtenden Antwort. „Und immer wenn es spannend wird, muss ich in den Eisschrank…“

Annina zieht entschuldigend ihre Schultern hoch: „Ich schaue nachher nochmals vorbei. Sta bain - mein Grosser.“ Sie wirft ihm eine Kusshand zu und schliesst die Tür des Eisfaches.

Kaum ist die Tür zu, öffnet Blubb verschlafen seine Augen. Noch bevor er etwas sagen kann, fährt ihn Nio von der Seite genervt an.

„Was ist…?“ Vor lauter Schreck verschluckt Blubb eine Luftblase. Doch der Kabeljau fängt sich schnell wieder. „Bäume wachsen hoch in den Himmel! Blumen wachsen bis sie gepflückt werden! Gras wächst bis es von einer Kuh gefressen wird!“

Nio krault sich an seinem dicken Bäuchlein und versucht so zu tun, als ob er nichts gehört hat. „Warum wissen die Pflanzen, wo unten und oben ist?“, fährt Blubb in seiner stoischen Art fort.

Jetzt ist Nio doch überrascht von der Frage und runzelt seine Stirn, was er immer tut, wenn er nicht weiter weiss. „Nun…“, und dabei versucht er sich sehr schlau anzuhören „Nun, dass ist sehr kompliziert. Soooo… kompliziert.“ Dabei streckt er seine beiden kleinen Arme soweit auseinander wie es nur geht: „Also, viel zu gross für deine Fischstäbchenpackung.“ Nio räusperte sich besserwisserisch: „Aber kurz gesagt, die Samen fühlen dass unten Wasser, die Erdmitte- und oben die Sonne ist.“

„So, so, die fühlen das!“ murmelt Blubb zufrieden und schliesst seine Augen.


Morgen erfährt ihr, warum Menschen am Sonntag lange schlafen...


22 | 888 - Das Bettmümpfeli

Als Nio und Annina gemeinsam zum Fenster hinaus schauen und davon träumen, was man träumen könnte, wenn man von Gesetztes wegen mehr träumen dürfte, geht über der Stadt der Vollmond auf.

Nio träumt davon, dass er im Engadin auf der Veranda sitzt und zuschaut, wie der Schnee fällt und er dabei den Geschichten der Schneeflocken lauschen würde. Annina dagegen träumt davon, wie sie mit ihren besten Freundinnen mit dem Velo die erste Frühlingsausfahrt hoch zum Lai da Tarasp macht und dort inmitten eines grossen Felds voller Schneeglöckchen ein kleines Pick-Nick macht. Und die kleine Stria schnurrt zufrieden vor sich hin und träumt von der kuschelig warmen Ofenbank in der Engadiner Stüvetta.

Doch da bemerkt Annina plötzlich den Vollmond über der Stadt: „Uhii, gleich kommt Mama nach Hause und ich habe das Nachtessen noch gar nicht vorbereitet.“ Versonnen schaut Nio Annina zu, wie sie den Tisch deckt. „Könnte ich noch eine Schale Milch bekommen?“, bittet Nio höflich.

Verwundert schaut Annina ihn an: „Seit wann trinkst du denn Milch?“ „Ich will die Milch draussen auf das Fensterbrett stellen“ entgegnet Nio und Annina fasst nach: „Draussen auf das Fensterbrett?“

„Ja, auf das Fensterbrett, für Mimmi.“ „Nio, wir wohnen im dritten Stock. Wie soll Mimmi mit ihren kurzen Beinchen hier oben an die Milch kommen?“

Ohne lange zu überlegen klärt Nio seine Freundin auf: „Bei Vollmond fliegen Dackel besonders gerne, weil es hell genug ist um wieder alleine nach Hause zu finden. Die Milch wäre unser Bettmümpfeli für Mimmi.“ „Oh, Nio, mein Nio. Du süsser kleiner Spinner!“

In dem Moment geht die Wohnungstür auf und Lucia kommt herein „Buna saira, meine Lieben!“

 

Morgen erfährt ihr, wieso oben oben und nicht unten ist….


21 | 888 - Das Siebenschläfergesetz

Als Annina und Nio nach Hause kommen, liegt das Katzenbüsi Stria gemütlich eingekuschelt auf dem Fensterbrett und schläft. Als Annina Nio zu Stria setzt, kraulte sie die schlafende Katze mit der Bemerkung „Na, du Siebenschläfer, du verpasst ja unsere besten Abenteuer.“

Während Annina sich einen Pfefferminzsirup macht, fragt Nio nach, was denn ein Siebenschläfer sei. Annina erklärt Nio, dass der Ausdruck Siebenschläfer von einem keinen Nagetier stammt, das einen langen Winterschlaf macht und soviel bedeutet, wiedass jemand viel und lange schläft. Mit ihrem Sirup und ein paar Eiswürfeln für Nio in der Hand, setzt sich Annina mit auf das Fensterbrett.

Nio betrachtet die friedlich schlafende Stria. „Träumen Katzenbüsis auch?“, will er von Annina wissen. Annina nippt an ihrem Glas: „Ja, ich denke schon. Vermutlich träumt Stria jetzt gerade davon, wie sie im Engadin durch das hohe Gras stapft und auf unseren Baum im Garten klettert.“

Da kommt Nio eine Gedanke: „Eigentlich müsste es ein Siebenschläfergesetz geben. Das sollte aber nur für Menschen gelten, die in einer Stadt leben.“ „Und wofür soll das Gesetz gut sein?“, will Annina wissen, während sie draussen den roten Abendhimmel betrachtet. „Nun, das Siebenschläfergesetz würde allen Menschen, die in einer Stadt leben, erlauben, jeden Tag etwas weniger zu arbeiten und dafür mehr zu schlafen als die Menschen, die im Bündnerland leben.“

Annina versucht Nios Gedanken zu folgen, doch es gelingt ihr nicht. „Ganz einfach…“, fährt Nio fort, „wer so lange schläft wie unser Katzenbüsi, der kann auch länger träumen. Und wer länger vom Engadin träumt, wird ein glücklicherer Mensch sein.“ Dabei zeigt Nio demonstrativ auf Stria, die genau in diesem Moment ihren süssen Kopf hebt und äusserst zufrieden gähnt. „Siehst Du, habe ich recht oder habe ich recht?“, erklärt Nio selbstbewusst.

 

Morgen erfährt ihr, wieso sich Nio eine Schale Milch auf dem Fensterbrett wünscht...


20 | 888 - Ihre Majestät

Als die Haustür aufgeht, tritt ein kleiner Mann heraus, und dahinter gleich ein zweiter. Beide sind mit dunklen Schuhen und dunklen Hosen bekleidet. Dazu tragen die beiden Herren je ein blaukariertes Hemd und darüber eine grüne Küchenschürze. Ihre runden Gesichter schmückt ein gepflegter Schnauzbart.

In dem Augenblick, als die beiden Männer Mimmi erblicken, heben sie ihre Hände und rufen gemeinsam: „Ihre Majestät Mimmi! Wir haben dich schon so vermisst!“

Annina muss schmunzeln und denkt sich «Zwillinge». Nio, der noch immer mächtig stolz vorne auf dem Skateboard sitzt, bekommt vor staunen seinen kleinen Mund nicht zu. Dabei entgleitet ihm bewundernd: „Mimmi hat einen Reserve-Menschen. Wie praktisch…“

Die netten Herrn bitten Annina und Nio zu Kaffee und Kuchen. Doch Annina lehnt ab, denn Mama kommt gleich von der Arbeit nach Hause. Mimmi huscht zwischen den beiden Herren hindurch ins Haus und blickt kurz majestätisch zurück. Die beiden Herrn winken gleichzeitig und im Takt mit der linken Hand zum Abschied: „Kommt doch recht bald zu Besuch! Wir freuen uns immer, wenn Mimmis Freunde vorbei schauen!“ Und als ob Mimmi dies bestätigen wollte, bellt die Dackeldame zweimal laut.

Als Annina und Nio auf dem Skateboard zurück nach Hause düsen, fragt Nio: „Wusstest du, dass Dackel fliegen können?“ Annina entgegnet Nio, dass dies sicher nicht der Fall sein kann. „Doch.“, besteht Nio weiter auf seiner Meinung, „…dank ihren grossen Ohren, können Dackel in der freien Wildbahn fliegen. Sie benötigen dazu aber einen Sprint von 55 Metern bis zum Abheben. Weil aber die Menschen die Hundeleinen zu kurz machen, hat noch nie ein Mensch einen Dackel fliegen sehen.“

Annina erklärt Nio zum grössten Träumer diesseits vom Nordpol.  Doch den kleinen Schneemann kümmert das nicht. „Ist das nicht toll, dass wir einer richtigen Dackelkönigin das Leben gerettet haben?“ Und Annina schlägt vor: „Dafür solltest Du vom Tierschutzverein einen Orden erhalten.“

 

Morgen erfährt ihr, was Katzenbüsis träumen…


19 | 888 - Mimmi, die Dackeldame

Unternehmungslustig packt Annina ihren kleinen Nio, aus dem Eischrank ein paar Eiswürfel sowie den Salami, welchen sie eben gekauft hat und rennt hinaus in den Flur. Als Annina dort noch ihr Springseil über de Schulter wirft, bemerkt Nio: „Wir haben noch das Skate-bums vergessen.“

Also gehen die beiden nochmals zurück in die Küche, holen das Skateboard und sind gleich darauf auf der Strasse. Schnell überqueren die beiden die Strasse. Da steht sie, die Dackeldame, mit grossen traurigen Augen und langen Ohren die bis fast zum Boden reichen. Auf die Frage von Nio „Was machst Du denn hier alleine? Wie heisst du überhaupt?“ antwortet die Hündin: "Ich bin Mimmi und habe meinen Menschen verloren. Und jetzt habe ich mich verlaufen.“

Zum Trost hält Annina der Dackeldame etwas Salami hin und entdeckt dabei auf dem Halsband die Adresse, wo Mimmi wohl zuhause ist. „Du wohnst nur zwei Strassen weiter“, und ganz Gentleman, schlägt Nio vor: “Komm, wir bringen dich schnell zu deiner Hundehütte.“ Missmutig erwidert Mimmi "Aber ich habe gar keine Hundehütte." 

Annina knüpft ihr Springseil an das Halsband von Mimmi, stellt Nio vorne auf das Skateboard und schon sind die drei unterwegs. Gekonnt zirkelt Annina das Skateboard und die nebenher trottende Mimmi über den Bürgersteig.  Während Mimmi angestrengt hechelt, johlt Nio mit ausgebreiteten Armen vorne auf dem Skateboard: „Ich bin der König der Welt!“

Mimmi schaut Nio von der Seite her verwundert an: „Echt jetzt, ich dachte du bis ein Schneemann?“ „Eben, da wo ich her komme, bin ich der König des Winters.“ Bewundernd  zieht Mimmi ihr buschigen Augenbrauen hoch.

„He, ihr zwei, gebt acht, da vorne geht es um die Ecke!“, holt Annina die beiden aus ihren Träumereien zurück auf den Bürgersteig. Gekonnt legt sie sich auf ihrem Skateboard in die Kurve und kurz darauf stehen die drei vor dem Haus, wo Mimmis Mensch wohnt. Während Annina an der Haustür klingelt, wedelt Mimmi aufgeregt mit ihrem Schwanz und kläfft aufgeregt laut umher.

 

Morgen erfährt ihr, warum Dackel nicht fliegen können…


18 | 888 - Das Skate-dings

Als Annina mit ihre Einkäufen nach Hause kommt, öffnet sie beim Einräumen der Lebensmittel in den Eisschrank auch das Eisfach. „Schon zurück“, stellt Nio erstaunt fest. „Yepp, ich war mit dem Skateboard einkaufen.“ „Wer ist den der Skate-bums?“, fragt Nio.

Annina stellt ihr Skateboard zu den Einkäufen auf den Küchentisch, sodass es Nio aus dem Eisfach sehen kann. „Nicht wer, was…“ Mit prüfendem Blick mustert Nio das Skateboard: „Und was kann das Dings-board?“

„Ich kann damit fahren.“ Nio ist wie vom Schneeball getroffen… „Fahren. Das heisst, wir können über all hin? Wieso sind wir dann noch hier? Ab zurück ins Engadin!“

Wenn Nio hüpfen könnte, wäre das der Moment, wo er dies vor Aufregung tun würde. „Nein, du Dummerchen. Mit dem Skateboard kommen wir nicht mal bis ans andere Ende der Stadt.“

Nio war seine Enttäuschung richtig anzusehen. Annina nimmt Nio aus dem Eisfach, gibt ihm zum Trost einen Kuss auf seine blaue Wollmütze und setzt ihn auf dem Fensterbrett auf das Skateboard. Mit einer Handvoll Eiswürfel und einem Schoggijoghurt setzt sie sich zu Nio ans Fester.

Nio wippt auf dem Skateboard mit seinem kleinen Bäuchlein hin und her, sodass das Skateboard sich ein wenig vor- und zurückbewegt „Fühlt sich gut an - dein Dingsbums“. Annina muss lachen: „Skateboard, nennt man das Dingsbums.“

„Skate-b-board“ flüstert Nio. Doch Annina reisst Nio aus seinen Traum, in welchem er mit dem Skateboard den Flülapass hintuner ins Engadin zu saust: „Schau mal! Da unten ist ein Dackel, ganz alleine unterwegs“, und Annina zeigt auf die Strasse hinunter, wo in der Tat ein Dackeldame alleine herumirrt. „Achtung, fertig, los! Wir müssen den Dackel retten - mit dem Skatewuff!“, johlt Nio.


Morgen erfährt ihr, wie Nio und Annina Mimmi retten…


17 | 888 - Durst

Gerade ist Nio in seinem Eisfach am Auspacken einer kleinen Wolke als der Kabeljau Blubb seine Augen öffnet. Leise steigt auf der Fischstäbchenpackung eine Luftblase nach oben. Mürrisch ertönt die Stimme von Blubb: „Menschen haben Durst, Tiere haben Durst, Pflanzen haben Durst.“

Nio schaut Blubb eine kurze Weile an, ungefähr so lange wie ein Echo am Piz Pisoc braucht, um zurück zu kommen, doch Blubb schweigt. Gerade als Nio seine kleine Wolke weiter auspacken will, murmelt Blubb: „Hast Du eine Ahnung, ob Wasser auch Durst hat?“

Verwundert über die Frage, runzelt Nio seine Stirn. Um den Satz besser zu verstehen, wiederholt er diesen leise nochmals. Dann fällt ihm eine Antwort ein: „Wasser hat Durst nach Leben!“ „Durst nach Leben?“, brummt Blubb fragend. „Ja, Durst nach Leben. Denn überall dort wo Wasser ist, ist auch Leben. Ist doch schneeflockenklar - oder?“, antwortet Nio und Blubb murrt bestätigend „Schneeflockenklar“. Dabei schliesst er die Augen und beginnt zu dösen.

Und Nio kann endlich seine kleine Wolke fertig aus packen. Eine Wolke mit einem Rollbrett und dem Dackel Mimmi…


Morgen erfährt ihr, wie Nio Rollbrettfahren lernt…


16 | 888 - Der Besuch

In Gedanken versunken sitzen Nio und Annina auf dem Fensterbrett, vor ihren Augen das Osterfest der Fee Craistas, hoch oben in den Baumwipfeln des Nationalparks.

Nio ist der erste, der die Ruhe unterbricht: „Weisst Du…?“, beginnt er, „Weisst Du, wie Tannenzapfen mit Zuckerguss schmecken?“ Annina schüttelt den Kopf.

„Wie Honigbrot mit Zuckerstreusel. Echt lecker. Einfach ein bisschen hart, der Tannenzapfen“, fährt Nio fort und Annina will wissen, wer denn noch zum Osterfest auf Besuch kommt.

„Ja stimmt. Der Besuch…“ fällt es auch Nio wieder ein. „Also - hoch oben in der steilen Felswand beobachtet der Juv mit seinen Adleraugen wie unten im Tal seine Freunde ihr Osterfest feiern. Kurz entschlossen breitet er seine grossen Flügel aus und stürzt der steilen Felswand entlang hinab in die Tiefe. In grossen Kreisen fliegt er immer näher und näher zum Baumhaus von Craistas. Als die Katzenbabies sehen, wer da angeflogen kommt, flüchten sie vor Angst unter den Schrank. Nachdem Juv gekonnt auf dem Geländer der Veranda des Baumhauses gelandet ist, lädt die kleine Fee ihn zum Frühstück ein. Nun getrauen sich auch die Kätzchen wieder hervor. Und in den Pfoten hat jedes ein kleines Osternestchen, welches der Ostermungg für die drei dort versteckt hat.“

Annina freut sich: „So hat der grosse Schrecken für die kleinen Kätzchen ein gutes Ende.! Und der Ostermungg hat sich seinen neuen Namen verdient.“

Mit grossen Augen schaut Nio zu, wie Annina beginnt, ihre Frühstücksachen zurück in den Eisschrank zu stellt. „Ich habe Mama noch versprochen, dass ich einkaufe gehe. So lange kannst Du ja im Eisfach kleine Wolken auspacken. Und wenn ich zurück bin, kannst Du mir bei der Planung für das Wochenende helfen.“

Wie immer, wenn Nio zurück ins Eisfach muss, murrt er leise vor sich hin. „Na dann, bis später…“


Morgen erfährt ihr, was Blubb den ganzen Tag so alles denkt…


15 | 888 - Das Helvetische Amt für Osterhasen

Während Annina ihrem Nio verschmitzt einen fragenden Blick zuwirft, schiebt der Wind vor dem Fenster dunkle Regenwolken dem Horizont entgegen. 

„Nun...“, beginnt Nio, „Im letzten Herbst, vor dem ersten grossen Schnee, war der Osterhause beim Mungg Flöna auf Besuch. Dabei hat der Mungg gejammert, dass er gar keine Lust auf einen Winterschlaf habe und es im Winter in seiner Erdhöle immer so langweilig sei. Da hatte der Osterhase eine Idee: Der Mungg könnte doch während dem langen Winter Ostereier für die Tiere im Nationalpark bemalen und Tannenzapfen mit Zuckerguss überziehen. Flöna fand die Idee grossartig! 

Als nun im Frühling der Osterhase beim Mungg Flöna die bunten Eier abholen wollte, lag noch soviel Schnee, dass er gar nicht bis zu Flöna in den Nationalpark kommen konnte. So hat das Helvetische Amt für Osterhasen über das ausserordentliche Notrecht zur Wahrung des Osterfests nach § 25.a Flöna zum Ostermungg ernannt und damit beauftragt, im Nationalpark den Osterhasen zu vertreten.“ 

Auf den letzten Teil der Geschichte ist Nio besonders stolz. Annina verzieht den Mund und runzelt ihre Stirn: „Mein lieber Nio, das kann doch gar nicht sein. Es gibt kein Helvetisches Amt…“ 

„Doch, doch!“, erwidert Nio energisch, „Wer denn sonst, ausser ein Ostermungg, könnte hoch oben im  Baumhaus der Fee Craistas ein Osterfest vorbereiten? Denn Hasen können nicht auf Bäume klettern.“ Annina versucht den Gedanken von Nio zu folgen und beisst dabei in ihr Marmeladebrot.


Morgen erfährt ihr, wer noch alles auf Besuch kommt...


14 | 888 - Die Osterüberraschung

Nio und Annina sitzen noch immer im dritten Stock ihres Zuhauses in der grossen Stadt auf dem breiten Fensterbrett und beobachten die Menschen unten auf der Strasse. Dabei knabbert Nio zufrieden an seinem zweiten Eiswürfel und Annina betrachtet die herbstlich bunte Krone der Eiche vor ihrem Haus. Dabei denkt sie, dass wohl die Fee Craistas genau so hoch oben in ihrem Baumhaus lebt, wie sie hier mit Nio in ihrem Küchenfenster sitzt.

Annina schaut Nio fragend an und räuspert sich. „Aha, ach so…“, beginnt Nio und macht eine kurze Pause, „Also, die kleine Fee Craistas konnte vor lauter Nervosität, dass sie zum Osterfest Besuch bekommen würde, nicht einschlafen. Und als es Morgen war, hat sie prompt verschlafen. Erst als der Kabeljau Blubb von draussen an das Fenster des Baumhauses klopft erwacht Craistas."

"Oh, herrje, schnell schnell, gleich kommen die Gäste, dachte Craistas. Flucks stand sie auf, rieb sich ihre kleine Augen und zupfte ihre Kleider zurecht. Doch was ist das? Auf dem Tisch der Veranda war schon alles gedeckt. Frische Blumen, bunte Ostereier und süsse Tannenzapfen. Auf dem Holzherd in der kleinen Küche dampfte frische warme Milch und ein Früchtekompott.“

Annina schüttelt den Kopf… „Du mit deinen Süssen Tannanzapfen und…“

„Lass mich doch…!", fällt ihr Nio ins Wort und erzählt weiter: „Und dann kommen die Gäste: zuerst die Katzenmama mit ihren Jungen. Flink huschen sie über die Seilbrücken hinüber ins Baumhaus. Der Holzkopfwombel klettert etwas ungelenk den Baum hoch und ist ausser Atem, als er oben ankommt. Vor Angst vor dem Holzkopfwombel haben sich die Kätzchen unter dem Bett der Fee Craistas versteckt. Doch als Craistas die warme Milch auf den Tisch stellt sind sie alle schnell auf ihren kleinen Stühlen. Gemütlich mampfen alle ihre Lieblingsspeisen und freuen sich, gemeinsam Ostern feiern zu können.“

Annina runzelt ihre Stirn: „Und wo kommt in der Geschichte der Ostermungg vor?“, fragt sie schnippisch. 

 

Morgen erfährt ihr, wer den Tisch hoch oben in der Baumkrone so schön gedeckt hat…


13 | 888 - Tränen im Wald

„Als sich die Fee Craistas tröstend neben den Holzkopfwombel setzte und auch der fliegende Fisch Blubb sich nicht mehr an seinen Luftblasen verschluckte, begannen die beiden Katzenbabys laut zu mauzen. So laut, dass selbst der Holzkopfwombel verstummte. Da raschelte es im Gebüsch gegenüber und vorsichtig lugte eine scheue Katenmama hervor. Die Katzenbabys sprangen aus der Tasche von Craistas und rannten hinüber zu ihrer Mama. Voller Liebe schmiegten sich die Katzenbabys an ihre Mama". 

"Wie süss!", entglitt es Annina und sie knuddelte ihre Stria - und neugierig bat sie Nio weiter zu erzählen. 

„Der Holzkopfwombel heulte beim Anblick dieses Glücks erneut lauf auf, so laut, dass alle wieder erschraken. Als das der Holzkopfwombel bemerkte, hielt er sich verlegen seine Pfote vor seinen Mund und schluckte leer - 'S-chüsa', hüstelte er. Und alle mussten lachen.“ 

"Oh, wie wunderbar!", freute sich Annina „Könnten sie nicht gemeinsam ein Fest feiern?“, schlug das Mädchen vor. 

Nio dachte kurz nach und fuhr dann fort: „Die Fee Craistas lädt alle in ihr Baumhaus zum Frühstück ein. Denn morgen ist doch Ostern und da kommt der Ostermungg und bringt bunte Eier und leckere Tannenzapfen mit Zuckerguss." 

Besserwisserisch schüttelt Annina ihren Kopf "Mein lieber Nio, es heisst Osterhase und nicht Ostermungg, und es gibt Nougat mit Zuckerguss und nicht Tannenzapfen." Nio schüttelt vehement seinen Kopf: "Natürlich gibt es den Ostermungg, das ist der Cou-Cousin vom Osterhasen!"


Morgen erfährt ihr, warum bei Nio der Ostermungg kommt...


12 | 888 - Anders als gedacht 

Annina ist überrascht wie selbstsicher die kleine Fee Craistas in Nios Geschichte mit dem finsteren Holztkopfwombel umgeht. 

Nio stopft das letzte Stück des Eiswürfels in seinen kleinen Mund und brabbelt mit vollen Backen: „Doch als die Fee Craistas dem Holzkopfwombel befiehlt zu verschwinden, brüllt dieser nur zögerlich zurück und sinkt danach entmutigt und schluchzend zu Boden.“ 

Verwundert schaut Annina Nio an. Doch Nio fährt unbeirrt fort: „Die Fee packt die beiden Kätzchen in ihre Umhängetaschen, hüpft von einem Ast zum andern nach unten, bis sie sich nahe dem Holzkopfwombel auf einem Ast niederlässt. Erstaunt betrachtet die Fee das schluchzende Ungeheuer. Die Kätzchen schauen ängstlich aus der Umhängetasche und Blubb flattert aufgeregt neben Craistas hin und her. 

'Warum heulst du?' wollte die Fee vom Holzkopfwombel wissen. Mit Tränen in den Augen schaute der Holzkopfwombel die Fee an und erzählt, dass er schon die längste Zeit alleine durch den Nationalpark streift und wenn immer er glaubt, jemand zum Spielen gefunden zu haben, würden alle wegrennen. Überrascht betrachtet die kleine Fee, wie dem Holzkopfwombel die Tränen über die Wangen kullern und Blubb bleibt eine Luftblase im Hals stecken.“ 

Als Annina hört, wie Blubb eine Luftblase im Hals stecken bleibt, kichert sie leise vor sich hin. 

„Die Fee Craistas ruft: 'Kein Wunder, wenn du so laut brüllst, dass alle Angst vor dir haben!'“ berichtet Nio weiter. „Der Holzkopfwombel blick die Fee erstaunt an:  'Aber Brüllen macht doch Spass!'“


Morgen erfährt ihr, wie alles gut kommt…


11 | 888 - Zwei kleine Katzenbüsis

An einem Eiswürfel knabbernd erzählt Nio weiter: "Mit nervöser Stimme drängt Blubb die Fee Craistas zum Aufbruch. Kurzentschlossen hängt sich die Fee eine kleine Tasche über die Schulter und pakt ein Seil ein. Blubb fliegt voraus und Caristas springt elegant wie ein Ballerina über die Seilbrücken hinterher. Schon bald hören die beiden das jämmerliche heulen von Katzenbabys. Ganz aussen auf einem Ast sitzen zwei Kätzchen und schreien verzweifelt nach ihrer Mama."

Annina streichelt ganz nervös ihr Katzenbüsi Stria. „Doch unten vor dem Baum sitz mit finsterer Mine und laut brüllend ein schrecklicher Holzkopfwombel", erzählt Nio mit tiefer Stimme weiter. Dabei hält er seinen angeknabberten Eiswürfel auffordernd Annina hin. Doch Annina versteht erst gar nicht. 

"Darf ich noch etwas Orangenmarmelade auf meinen Eiswürfel haben?", bittet Nio mit flehender Stimme. "Und dann?", fragt Annina indem sie Nio mit dem Löffel etwas Marmelade auf den Eiswürfel gibt. 

"Hoch oben im Baum klettert Craistas leicht wie eine Feder und behände wie ein Eichhörnchen nach ganz aussen auf dem Ast zu den Katzenbabys. Und hopp springen die Kätzchen in die rettenden Arme der Fee und Blubb klatscht vor Freude mit seinen Flossen“. 

Vor lauter Aufregung drückt Annina ihre Stria so fest an sich, dass diese laut miauzt „Und jetzt, was macht Craistas mit dem Holzkopfwombel?“, will Annina wissen. "Mit den beiden Kätzchen im Arm hüpft sie zurück zur Seilbrücke und gibt Blubb den Auftrag, die Mama der Kätzchen zu finden. Doch bevor sie die Kätzchen zu sich ins Baumhaus in Sicherheit bringt, ruft Craistas mit lauter Stimme dem Holzkopfwombel zu: "Verschwinde hier! Du hast hier nichts zu suchen!“ 


Morgen erfährt ihr, wieso der Holzkofwombel weint...


10 | 888 - In dem Baumwipfeln

Während Annina und Nio auf dem Fensterbrett in ihrer Küche noch immer ihr Frühstück genossen, beginnt es draussen vor dem Fenster in der grossen Stadt zu regnen.

Doch dies hält Nio und Annina nicht davon ab, weiter vom Bündnerland zu träumen. Und so fährt Nio fort: „Und wenn wir mit unserem Drachen im Garten gelandet sind, holen wir uns im Stall eine Laterne und warme Wolldecken und kuscheln uns zum Katzenbüsi Stria ins Baumhaus. Und du liest mir eine Geschichte vor!“, wünscht sich Nio.

Doch Annina entgegnet „Ach, lass uns doch lieber eine deiner kleinen Wolken auspacken.“

Nio muss nicht lange überlegen, denn da war ja noch die eine unfertig ausgepackte Wolke von vorhin: „Also, hoch oben in den Baumwipfeln des Nationalparks wohnt in einem süssen kleinen Bauhaus ganz alleine die mutige Fee Craistas. Sie kannte jeden Baum und Busch im Tal.»

Anninas Herz schlug höher, der Gedanke, in den Baumwipfeln zu leben, den Sternen, der Sonne und den Bergen so nahe zu sein, verzauberte sie.

„Zwischen den grössten Baumwipfeln des Nationalparks hatte die mutige Fee lange Seilbrücken gebaut, gerade so wie eine Spinne sie in ihrem Netz baut. So konnte Caristas ohne je auf den Waldboden gehen zu müssen, all ihre Freunde besuchen.“

Annina hörte Nio ganz gespannt zu: „Da kommt der Fisch Blubb angeflogen…“ Annina war sofort aus ihrem Traum gerissen und unterbrach Nio: „Nein, nein, nicht schon wieder fliegende Fische! Fische können nicht fliegen!“

„Doch.“, erwidert Nio bestimmt, „Frag Juv, den Adler, der lebt im Nationalpark. Und ausserdem ist es meine Geschichte. Also…“, fuhr Nio mit fester Stimme fort „…Blubb kommt geflogen, ganz ausser Atmen und bittet die Fee um Hilfe. Eine Katzenbüsi-Familie muss vor einem Holzkopfwombel gerettet werden!“

 

Morgen erfährt ihr, wie die kleine mutige Fee zur grossen Retterin wird…


9 | 888 - Papierdrachen

Als Annina am Morgen die Eisfachtür öffnete war Nio gerade in Gedanken am auspacken einer kleinen Wolke.  Erschrocken  sah er Annina an: „Was machst Du denn hier“. 

„Ich wohne hier“ antwortet Annina keck. 

"Aber musst Du nicht zur Schule“.

"Nein, heute ist Samstag und Mama ist schon auf der Arbeit. Ich dachte wir essen gemeinsam Frühstück" schlug Annina vor.

Fröhlich strahlte Nios Gesicht „Au, ja. Bekomme ich etwas Orangenmarmelda auf meinen Eiswürfel“. Annina nickte und nahm Nio und zwei Eiswürfel aus dem Eisfach. Gemeinsam genossen sie auf dem Fensterbrett ihr Frühstück und schauten dem treiben auf der Strasse zu. Der Wind blies die bunten Herbstblätter über die Bürgersteige. Auf der Strassenseite gegenüber spielte ein Musikant mit einer Pauke auf dem Rücken und einer Gitarre in den Händen den Song „Wenn hoch der Drachen fliegt“ aus dem Film Mary Poppins. 

Traurig summte Annina leise mit und fragte Nio „Wäre das nicht toll, wir könnten wie vor einem Jahr am Lai da Silvaplana unseren Drachen fliegen lassen“. 

„Ja, dass wäre ein Spass..." antwortet Nio "...und stellt dir vor, wir hätten so einen grossen Drachen, so gross, dass wir unter ihm auf einer Schaukel mit schweben könnten". 

Durch die Musik des Strassenmusikanten beschwingt singt Annina verträumt; „Und wer ganz oben Schwebt - und der Sonne beim Aufgehen zuseht - segelt fröhlich in den Tag hinein und wird dabei soooo' glücklich sein“. Auch Nio versucht mit der Musik des Strassenkünstlers zu folgen; „Und wir Segeln mit dem Wind - ganz vergnügt und beschwingt - bis wir zu Hause sind".  „Da würde Stria aber grosse Augen machen“ lacht Annina. Und sie hören dem Strassenmusiker noch eine Weile zu!


Morgen erfährt ihr,  wo die Baumwipfel Fee lebt...


8 | 888 - Das Wasserrad

Als Annina die Hausaufgaben fertig und ihr kariertes Pyjama schon angezogen hatte, öffnete sie mit der Zahnbürste im Mund das Eisfach. Erstaunt schaute Nio sie mit grossen Augen an: „Was machst du da?“ 

„Ich putze mir die Zähne“, erwiderte Annina und Nio fragte neugierig: „Warum?“ 

„Das macht man so vor dem ins Bett gehen», erklärte Annina mit zusammengekniffenen Augenbrauen . 

„Und die Stria putzt sie ihre Zähne auch?“ 

"Nein, Katzen putzen ihre Zähne nicht.“ 

„Aber warum nicht?“, insistiert Nio. 

„Weil Katzen nie Zähne putzen“, und ohne Nio nochmals die Möglichkeit zu geben, `Warum` zu fragen, bittet Annina ihn um eine Gutenachtgeschichte. „Ach ja…“ beginnt Nio „…wenn im Frühjahr unser Nonno zu Besuch kommt, helfen wir ihm im Garten hinter unserem Haus im Engadin den Brunnen sauber zu machen, stellen Blumen auf den Brunnenstock und geniessen auf der Bank beim Brunnen den Schokoladekuchen der Nonna.“ 

Annina nimmt ihre Zahnbürste aus dem Mund: „Und zur Feier des Tages, dass das Wasser am Brunnen wieder läuft, stellen wir das Wasserrad von Nonno und den kalten Wasserstrahl, sodass alle im Dorf das Klopfen des kleinen Hammers hören können - tock, tock…“. Doch bevor Annina das dritte und vierte Tock anfügen konnte, war die mahnende Stimme von Lucia zu vernehmen: „Wie oft muss ich dir noch sagen, dass die Zähne nur im Badezimmer geputzt werden? Also, ab ins Bett du Grossstadtpiratin!“ Annina zieht ihre Augenbraunen und Schultern hoch: „Buna notg, mein kleiner Schneemann!“ Zufrieden zwinkerte Nio mit seinen kleinen Augen. „Durma bain“, flüsterte er bevor Annina die Eisfachtür schloss und zu Bett ging.

 

Morgen erfährt ihr, wie Nio Drachen fliegen lässt…


7 | 888 - Kleine Wolken...

Immer wenn Annina und Lucia zuhause sind, ist Nio gerne in seinem Eisfach, weil er dann weiss, dass seine liebsten Menschen in der Nähe sind. Heute ist so ein Tag. Er stellt sich vor, wie er mit Annina in Scuol in der Chadafö am Fenster sitzt und hoch zu den Bergspitzen schaut. Wie in der Küche im Holzherd ein Feuer knistert und es nach frischem Kakao riecht. Manchmal kuschelt sich auch das rotbraune Katzenbüssi Stria zu ihnen auf das Fensterbrett. Stria ist fast so gut im lange schlafen wie Blubb. Nio sieht vor seinen Augen die weissen Wolken über den schroffen Bergspitzen. In jeder der kleinen Wolken ist ein grosses Abenteuer verpackt. Nio liebt es, Wolken auszupacken. Heute schnappt er sich die kleine Wolke über dem Piz Lischana - öffnet sie vorsichtig - und seine Äuglein beginnen zu funkeln. Der Regen, der zuerst die quirligen Bächlein, dann die Bergseen und später die vielen Brunnen im Engadin füllt, macht auch im Engadin viele Abenteuer möglich, bevor er für Blubb mehr Meer wird… und das eine beginnt hinter dem Haus am Brunnen im Garten…


Morgen erfährt ihr, warum das Wasser am Brunnen hinter dem Haus klopft...


6 | 888 - Viel mehr Meer

Annina stellt ihren kleinen Schneemann Nio vorsichtig zurück in das Eisfach. Doch bevor sie das Türchen des Eisfaches schlisst, gibt sie Nio noch einen zärtlichen Stups auf die kleine Nase. Verlegen vor Glück wippt Nio auf seinem Bäuchlein hin und her. Kaum ist die Eisfachtür zu, ertönt die tiefe mürrische Stimme von Blubb: „Regnet es noch immer?“ Blubb, der Kabeljau vorne auf der Fischstäbchenpackung, hat alle sieben Meere durchschwommen. Doch noch lieber als Schwimmen, geniesst er es fast den ganzen Tag zu schlafen. Als Nio gerade ausholen will, um von dem Abenteuer mit den Regenschirmen zu erzählen, unterbricht ihn Blubb: „Jeder Regentropfen, der in der Stadt auf den Boden fällt, fehlt irgendwo im grossen Meer. Hast Du eine Ahnung, was das bedeutet?“ Nio überlegt kurz, aber immer wenn Nio schnell denken möchte, purzeln seine Gedanken wild durcheinander. „Wir Fische haben weniger Meer zum herumtollen!“, sinniert Blubb. „Aber, aber…“, versucht Nio zu antworten „…dafür sammelt unser Lai Nair alle Regentropfen und der Inn und Rhein trägt alles Wasser zu euch ins Meer. So habt ihr am Schluss wieder viel mehr Meer.“ „Viel mehr Meer ist gut...“ gähnt Blubb und schliesst müde seine Augen. Und weil Nio seine Gedanken wieder geordnet bekommen hat, macht er noch ein Vorschlag: „Du, Blubb, wie gut können Fische fliegen? Im Himmel über dem Engadin wäre noch viel Platz zum Herumtollen.“ Doch Blubb hört nicht mehr zu und träumt schon zufrieden von viel mehr Meer.


Morgen erfährt ihr, warum Nio kleine Wolken mag...


5 | 888 - Regenschirme

Während Annina das hastige Treiben der Menschen beobachtet, erkennt sie, wie ihre Mama Lucia durch den Regen hindurch nach Hause eilt. Nur ein kurzen Augenblick später steht ihre Mama pitschnass in der Küche. „Allegra, mia Chara - was gibt es Neues, meine Liebe?“. „Niemand wollte mit mir spielen gehen“, erzählt Annina. „Wundert dich das bei dem Wetter?», fragt Lucia. „Im Engadin wollte immer jemand mit mir spielen!“ sinnierte Annina. „Eins, zwei, drei…“ murmelt Nio fröhlich vor sich hin. „Was machst du da?“, flüstert Annina. „Vier, fünf - ich zähle, sechs“. „Was zählst du…?“, fasst Annina leise nach. „Regenschirme, sind die nicht hübsch?!... Sieben, neun…“. „Acht. Nach sieben kommt acht.“, korrigiert Annina. Annina wird von Lucia unterbrochen, welche sie bittet, ihren Nio zurück in das Eisfach zu stellen und ihr bei der Zubereitung des Abendessens zu helfen. „Hey...!“, murrt Nio „...ich will noch nicht zurück, schau wie glücklich die sind!“ Erstaunt schaut Annina zum Fenster hinaus auf die Strasse. „Glücklich?» Nio holt aus: „Ja, den ganzen langen Sommer hindurch wurden die Regenschirme von ihren strengen Besitzern in den Schirmständer eingesperrt, und nur der tapfere Regen konnte sie befreien.“ Wie es sich für eine Grossstadtpiraten ziemt, schlägt Annina vor: „Und im nächsten Sommer befreien wir alle Grossstadt-Regenschirme und gehen mit ihnen hoch auf die Alp Astras, um über dem Nebelmeer die Bergsonne anzubeten“. Doch da reisst die Stimme von Lucia die beiden aus ihrem Abenteuer „Annina, komm’, hilf mir mit dem Abendessen!“


Morgen erfährt ihr, was Blubb sorgen macht...


4 | 888 - Der fliegende Kabeljau Blubb

Draussen regnet es. «Uhii, die Regentropfen klopfen aber laut gegen das Fenster!, stellt Nio fest. Und während Annina und Nio den Regentopfen beim Herunterfallen zuschauen, ergänzt Nio: "Der Schnee im Engadin flüstert“. "Der Schnee flüstert…?“, fragt Annina erstaunt. "Ja…, das können aber nur kleine Schneemänner hören.“ „Was flüstert der Schnee denn?“, möchte Annina zu gerne wissen. "Es sind die 888 Abenteuer der tanzenden Schneekristalle - eine davon ist die Geschichte der Prinzessin Schneeflocke und des Barons Eiszapf. Der Baron würde gerne ausgelassen im Wind tanzen, wie die Prinzessin Schneeflocke und die Prinzessin möchte in der Sonne so majestätisch glitzern, wie der Baron Eiszapf. Und beide fragen sich: ‘Wie können wir so sein wie der andere?’" Nio ist ganz in seinem Element: "Und plötzlich kommt Blubb der Kabeljau vorbei geflogen“. Annina schüttelt den Kopf: „Nein, nein! Fische können doch nicht fliegen!“ Nio denkt kurz nach. „Doch, doch - frag mal den Steinadler Juv!“. Und so erzählt Nio weiter von der Begegnung die sich oberhalb vom Bergsee Lai Nair begab: "Mit sonorer Stimme erklärt Blubb der Prinzessin Schneeflocke und dem Baron Eiszapf, dass sie sich nur gedulden müssen, bis die Frühlingssonne sie beide schmilzt. Danach können sie Hand und Hand als Wassertropfen im kleinen Bächlein, zwischen und um die Steine herum, bis hinter zum Lai Nair ausgelassen im Sonnenlicht glitzernd tanzen“. Annina holt tief Luft. „Was für ein romantisches Abenteuer - und im Sommer feiern sie unter dem Engadin Sternenhimmel gemeinsam mit allen fliegenden und schwimmenden Fischen ein rauschendes Seenachtsfest!“


Morgen erfährt ihr, wieso Nio nur bis 10 zählen kann...


3 | 888 - Fenster mit Aussicht

Nio, davon ist er überzeugt, ist ein grosser Erfinder. Immer wenn er alleine in seinem Eisfach sitzt (wobei, ganz alleine ist er ja nicht, da ist ja noch Blubb, dazu aber später mehr) findet er im unendlichen Blau des Himmels über den Bündner Bergen ganz viele Abenteuer, die nur darauf warten, erlebt zu werden. So wartet er auch heute ganz aufgeregt auf Annina.

„Wo warst Du den so lange?“, will Nio wissen. „Ach mein lieber Nio, in der Schule natürlich!“ Flink drückt Annina zwei Eiswürfel aus der Eiswürfelform. „Hast du Hausaufgaben?“, will Nio gespannt wissen. Liebevoll nimmt Annina ihren keinen Schneemann und die beiden Eiswürfel aus dem Eisfach und geht hinüber zum grossen Küchenfenster. „Rechnen und Geographie“ antwortet Annina unmotiviert. Doch Nio erwidert begeistert: „Ich mag die Zahl Acht, daraus kann man ganz einfach einen Schneemann zeichnen - und die Zahl 888 ist die Glückszahl aller Schneemänner!“. Gemütlich setzen sich die beiden auf das grosse Fensterbrett und träumen vor sich hin. Und Nio knabbert an einem Eiswürfel.

 

Morgen erfährt ihr, was Schneeflocken so alles flüstern…


2 | 888 - Nio und seine Eiswürfel!

Mit einem „Allegra Nio, nur nicht so stürmisch!“, öffnet Annina das Eisfach ihres Eisschrankes.

Verlegen wippt der kleine Schneemann Nio auf seinem dicken Bäuchlein hin und her, „S-chüsa! Entschuldigung!" Dabei knabbert er genussvoll an einem Eiswürfel.

Kennt ihr das, wenn man etwas so schrecklich gern hat, dass man es immer und überall haben möchte? Wie zum Beispiel Schokoladenjoghurt, Gummibärchen oder eine Engadinernusstorte.

Nio liebt seine Eiswürfel über alles. Und wenn Annina neue Eiswürfel macht, gibt sie in einige einen Tropfen Himbeersirup. Diese Eiswürfel gibt es für Nio nur an so wichtigen und hochwürdigen Feiertagen wie zum Beispiel am ersten Sommerferientag oder am ersten Wintertag, an welchem man auf der Via Maistra Schlittenfahren kann. Oder wenn beim Abwaschen wieder mal ein Teller zu Boden fällt.

Und dann gibt es noch einen Grund, warum Nio die Eiswürfel so sehr liebt: sie helfen ihm dabei, nicht zu schmelzen, während er mit Annina die von ihm gefunden Abenteuert erlebt…


Was Nio und Annina so alles wiederfährt, könnt ihr morgen hier lesen…


1 | 888 - Wie alles begann!

Die neunjährige Annina ist ein pfiffiges Mädchen aus dem Engadin. Sie ist nicht anders als ihre Schulkameradinnen und -kameraden und doch fühlt sie sich in der grossen Stadt manchmal einsam. Ihre Mutter, Lucia, hat hier eine Arbeit als Krankenschwester gefunden; deswegen mussten sie aus dem Engadin fortziehen. Annina vermisst ihre Heimat, den tiefen Schnee im Winter und die wunderschönen Berge, den herrlich blauen See und die liebevoll verzierten Häuser.

Zum Glück hat Annina ihren Freund Nio an ihrer Seite, denn Nios Beruf ist Erfinder – das glaubt er jedenfalls! Wenn der kleine Schneemann träumt, findet er in den Weiten des blauen Himmels immer neue Geschichten für seine beste Freundin.

Wie jeden Tag poltert Annina auch heute nach der Schule in die kleine Wohnung hinein. Gekonnt pfeffert die Großstadtpiratin ihren Schulranzen durch den Flur, direkt in die Küche. Ihre Laune ist nicht gerade die beste, aber da hört sie ein vertrautes Geräusch: Nio, der kleine Schneemann, klopft wild mit einem Eiswürfel gegen sein Türchen!


Und als nächstes erfahrt ihr, wieso Nio Eiswürfel liebt...